Augenuntersuchungen > Medizinische Augenuntersuchungen
Der Augeninnendruck: Messung und Bedeutung
Ein zu hoher oder zu geringer Augeninnendruck kann drastische Folgen haben. Wozu dient der Augeninnendruck eigentlich und warum ist er so wichtig? Und wie wird er gemessen? In diesem Text liefern wir Antworten für Dich!
geschrieben von Moritz Wettstein am 9. Juli 2020 und geprüft von Dr. med. Andreas Künster
Nach höchsten wissenschaftlichen Standards verfasst und von Experten geprüft.

Der Augeninnendruck sorgt für die Formgebung im Auge und ist damit essenziell für die Augengesundheit. Steigt der Druck jedoch zu stark an, kann der Sehnerv irreparabel geschädigt werden. Auch ein zu geringer Wert beeinträchtigt das Sehvermögen. Daher ist es wichtig, den Augeninnendruck regelmäßig kontrollieren zu lassen. Im folgenden Text verraten wir Dir, wie der Augenarzt den Druck misst, welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt und Vieles mehr!

Wozu dient der Augeninnendruck?

Der Augeninnendruck ist eine wichtige physikalische Größe am Auge. Es handelt sich dabei um den Druck, der auf der Innenwand des Auges lastet. Er sorgt für eine konstant glatte Wölbung der Hornhautoberfläche und ist damit für die Formgebung des Auges verantwortlich. Außerdem sorgt er für einen gleichmäßigen Abstand zwischen Hornhaut, Linse und Netzhaut und stellt die gleichmäßige Ausrichtung der auf der Netzhaut befindlichen Fotorezeptoren sicher. Damit spielt der Augeninnendruck eine entscheidende Rolle beim Aufbau und der Funktion des Auges.

Wie wird der Augeninnendruck reguliert?

Der Augeninnendruck wird über das Kammerwasser reguliert, das in den Ziliarkörpern gebildet wird und durch die Pupille, an der Iris sowie der Augenlinse vorbei in die Vorderkammer des Auges gelangt. Von dort aus wird ein Großteil des Kammerwassers durch das Trabekelmaschenwerk in das episklerale Venensystem abgeleitet. Der Wert des Augeninnendrucks ist davon abhängig, wie viel Kammerwasser produziert wird und wie viel davon abgeleitet werden kann.

Ist der Augeninnendruck erhöht, muss dieser durch eine Reduzierung an den Normalwert angepasst werden. Je höher der Augeninnendruck, umso schädlicher ist dies für den Betroffenen.

Die Messmethoden beim Augeninnendruck

Der gesunde Wert des Augeninnendrucks liegt zwischen 10 und 21 mmHg. Um eine exakte Messung vornehmen zu können, werden verschiedene Messmethoden zum Einsatz gebracht, die unter dem Begriff „Tonometrie“ zusammengefasst werden.

Bei einer manuellen Untersuchung drückt der Augenarzt leicht auf das geschlossene Auge. Dadurch kann er feststellen, wie stabil das Auge ist und ob der Augeninnendruck ausreicht oder gar zu hoch ist.

Für die Ermittlung des exakten Augeninnendrucks muss die Applanationstonometrie nach Goldmann angewendet werden. Bei dieser Messmethode wird die Hornhaut des Patienten zunächst mithilfe von Augentropfen betäubt. Anschließend wird ein kleiner Kolben auf der Hornhautoberfläche aufgesetzt. Daraufhin wird die Kraft gemessen, die benötigt wird, um eine definierte Abplattung durchzuführen. Anhand der aufgebrachten Kraft kann der Wert des Augeninnendrucks abgeleitet werden.

Durchführung einer Applanationstonometrie
Durchführung einer Applanationstonometrie

Alternativ kann der Augeninnendruck auch durch Anwendung einer kontaktlosen Methode bestimmt werden. Diese Methode wird auch als als „Non-Contact-Tonometrie“ bezeichnet. Hierfür wird ein definierter Luftimpuls auf die Hornhaut des Auges geschossen. Der Luftstoß führt zu einer kurzzeitigen Hornhautverformung, aus der ein Wert für den Augeninnendruck berechnet werden kann. Diese Methode ist schmerzfrei und kann schnell durchgeführt werden. Die Messgenauigkeit der kontaktlosen Methode ist jedoch geringer als bei der Applanationstonometrie.

Eine weitere Vorgehensweise zur Messung des Augeninnendrucks stellt die „Dynamic Contour Tonometrie“ (DCT) dar. Hierbei wird ein der Hornhaut nachempfundener Messkopf auf das Auge aufgesetzt. Durch Druckeinwirkung bringt er die Hornhaut in ihren natürlichen, spannungsfreien Zustand. Der Augeninnendruck entspricht dem Druck zwischen dem Messkopf und der Hornhaut. Die DCT gibt sehr exakte Werte aus.

Augeninnendruck - Dürchführung einer DCT - Dynamic Contour Tonometrie
Dürchführung einer DCT – Dynamic Contour Tonometrie

Wie hoch sollte der Augeninnendruck sein?

Wenn weniger Kammerwasser abfließen kann, als produziert wird, überschreitet der Augeninnendruck den normalen Wertebereich von 10 bis 21 mmHg. Liegt ein dauerhaft erhöhter Augendruck über 21 mmHg vor, kann dadurch der Sehnerv geschädigt werden, dann liegt ein sogenannter grüner Star vor, der unbehandelt zur Erblindung führen kann.

Zwar ist das Auge in der Lage, eine Steigerung des Augeninnendruckes innerhalb eines Toleranzbereichs zu verkraften. Doch je höher der Druck ist und umso länger dieser Zustand andauert, umso größer sind auch die potentiellen, meist irreparablen Folgeschäden.

Um die Ursache für einen erhöhten Augeninnendruck finden zu können, muss gegebenenfalls der Kammerwinkel genau untersucht werden. Dafür wird die Gonioskopie durchgeführt, bei der ein sogenanntes Kontaktglas („Gonioskop“) auf die Hornhaut aufgesetzt. Zusammen mit einer Spaltlampe kann so eine direkte Betrachtung des Kammerwinkels erfolgen.

Es gibt einige Risikogruppen für einen erhöhten Augeninnendruck. Dazu zählen beispielsweise Patienten mit Bluthochdruck oder Diabetes. Hier wird eine regelmäßige Untersuchung durch den Augenarzt empfohlen.

Im Gegenzug gibt es auch Patienten, die einen zu niedrigen Augeninnendruck haben. In einem solchen Fall wird zu wenig Kammerwasser produziert oder zu viel Kammerwasser abtransportiert. Hält dies über einen längeren Zeitraum an, kann es zu einer Aderhautablösung oder auch Netzhautablösung kommen. Auch kann der gesamte Augapfel schrumpfen, was häufig zu Schmerzen führt („Phtisis dolorosa“).

Behandlungsmöglichkeiten eines veränderten Augeninnendrucks

Eine krankhafte Druckveränderung im Auge kann unter Umständen mit einem operativen Eingriff reguliert werden. Dabei kann der Abfluss des Kammerwassers verbessert werden, wodurch der Druck gesenkt wird. Dem gegenüber besteht die Möglichkeit, die Produktion des Kammerwassers zu erhöhen, um eine Drucksteigerung zu erzielen.

Eine Verringerung des Augeninnendrucks kann auch medikamentös hervorgerufen werden. In diesem Fall kommen Augentropfen aus der Wirkstoffgruppe der Betablocker, Carboanhydrasehemmer, Prostaglandine und Alpha-Agonisten zum Einsatz, die je nach Bedarf vom Arzt angeordnet werden.

Chirurgisch wird nur dann eingegriffen, wenn die Medikamente nicht ausreichend wirken, eine regelmäßige Anwendung nicht zu gewährleisten ist oder die Medikamente nicht vertragen werden. Der Augenarzt informiert dann ausführlich, welche chirurgischen Schritte möglich sind.

Fazit

Der Wert des Augeninnendrucks sollte dauerhaft zwischen 10 und 21 mmHg liegen. Weicht der Druck zu stark von diesem Bereich ab, drohen teilweise irreparable Augenkrankheiten. Umso wichtiger ist eine regelmäßige Messung des Augeninnendrucks beim Augenarzt. Nur so kann im Falle einer Druckveränderung schnell gehandelt werden

Gefällt dir der Artikel?