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Probleme mit der neuen Brille: Ursachen und Hilfe
Probleme mit der neuen Brille sind keine Seltenheit. Ob es sich dabei um die allererste Brille, ein neues Gestell oder eine neue Stärke handelt - jeder Träger muss sich erst an die Sehhilfe gewöhnen.
geschrieben von Moritz Wettstein am 17. Mai 2020 und geprüft von Optikermeister Hans-Peter Platten
Nach höchsten wissenschaftlichen Standards verfasst und von Experten geprüft.

Sowohl die Augen als auch das Gehirn müssen sich an eine neue Brille gewöhnen. Dieser Prozess kann je nach Art der Brille und Erfahrung des Brillenträgers einige Zeit in Anspruch nehmen. Mit den richtigen Tipps vereinfachst Du die Gewöhnung und vermeidest unangenehme Nebenwirkungen.

Welche Probleme können mit neuen Brillen auftreten und wie lassen sie sich lösen?

  1. Fehlerhafte Anpassung
    Es kann vorkommen, dass die Linsenstärke und die Zylinder falsch vermessen wurden. Dadurch passen die Gläser nicht zu den Anforderungen des Auges. Mögliche Folgen sind verschwommene Sicht, schnell ermüdende Augen, Kopfschmerzen und Brechungsfehler. Hier hilft nur ein erneutes Aufsuchen des Optikers und / oder Augenarztes, um die Gläser entsprechend anzupassen.
  2. Fehlende Gewöhnung
    Während sich manche Menschen innerhalb weniger Tage an die neue Brille gewöhnt haben, benötigen andere Menschen dafür mehrere Wochen. Die Gewöhnung an neue Brillengläser erfordert Geduld und Durchhaltevermögen des Brillenträgers. Besonders wer zuvor noch nie Probleme mit den Augen hatte oder gar keine Brille möchte, nimmt die Brille oft wieder vom Auge. Dadurch können sich sowohl die Augen als auch das Gehirn nicht an die Sehhilfe gewöhnen. Die Probleme werden dann bei jedem Trageversuch erneut auftreten.
    Hier helfen Konsequenz beim Tragen oder die Suche nach einer passenden Alternative. Kontaktlinsen können eine gute Lösung sein, wenn die Brille nicht angenommen werden kann.
  3. Fehlende Aufklärung
    Bei einer Mehrstärkenbrille ist das Brillenglas in verschiedene Bereiche aufgeteilt. Die Bereiche für die Ferne befinden sich in der Regel im oberen Abschnitt und die Bereiche für die Nähe im unteren Abschnitt des Glases. Es erfordert etwas Übung, den Kopf und die Augen so zu koordinieren, dass immer direkt der richtige Sehbereich gefunden wird.
    Beim Sehen in die Ferne und im mittleren Bereich hilft es, den Kopf mitzubewegen und nicht nur die Augen. Im nahen Bereich sollten hingegen nur die Augen und nicht der Kopf bewegt werden. Zudem hilft es, den Alltag in den ersten Tagen mit der neuen Brille etwas langsamer zu bewältigen. Wenn möglich sollten Aufgaben im Sitzen durchgeführt werden. Mobilere Tätigkeiten, wie schnelles Laufen und Treppensteigen, sollten behutsam angegangen werden.
    Auch wenn es schwerfällt, sollte die Brille den ganzen Tag getragen werden. Das hilft dabei, die Gewöhnung möglichst schnell voranzutreiben.
  4. Einstellungs- und Anpassungsprobleme
    Ist das Brillengestell nicht passend ausgerichtet? Stimmt der Winkel zwischen Augen und Gläsern nicht? Nicht nur die Gläser müssen richtig gefertigt sein, die Brille als Gesamtkonstrukt muss auch angepasst, eingestellt und ausgerichtet werden.
    Auch hier hilft nur ein erneuter Besuch beim Optiker, um die notwendigen Änderungen vorzunehmen.
  5. Unerkannte Krankheiten
    Bisher unerkannte Augenkrankheiten können stärker auffallen, wenn die neue Brille Probleme bereitet oder trotz neuer Brille weiterhin Beschwerden bestehen.
    In manchen Fällen führen alle Versuche der besseren Anpassung durch den Optiker sowie ein konsequentes Tragen der Brille nicht zur gewünschten Gewöhnung. Ein Augenarzt sollte die Augen daraufhin untersuchen.
  6. Veränderte Werte
    Eine neue Brille ist fällig aber das alte Modell reicht noch aus? In diesem Fall warten manche Menschen so lange, dass die Werte schließlich nicht mehr stimmen. Auch wenn die neue Brille länger in der Schublade liegt, kann dieses Problem entstehen. Doch oftmals korrigiert das alte Modell die Sehkraft nicht mehr optimal. Daher sollten die Augen regelmäßig im Abstand von einem Jahr untersucht und ein neuer Brillenpass ausgestellt werden.

Weitere generelle Probleme mit der neuen Brille

Bereits ein Wechsel in der Rahmengröße oder -farbe stellt eine Umgewöhnung dar, die nicht zu unterschätzen ist. Die Ränder der Brille fallen wieder stärker auf und können störend oder gar desorientierend wirken. Des Weiteren können sich folgende Problemfälle einstellen:

  • Starke Kontraste: Von der Einstärkenbrille zur Multifokalbrille, vom rahmenlosen Gestell zum Modell mit dickem Rahmen – hier muss mit einer längeren Gewöhnungsphase gerechnet werden.
  • Schwindel und Kopfschmerzen: Schwindel, das Gefühl zu scharf zu sehen oder auch Kopfschmerzen sind typische Beschwerden in der Eingewöhnungszeit einer neuen Brille. Hier ist Durchhaltevermögen gefragt.
  • Lichtpunkte und Blendungen: Bei Brillen ohne Entspiegelung können vermehrt Reflexionen auftreten. Kommen diese auf der Rückseite des Brillenglases zustande, wird das betreffende Auge geblendet.
  • Der kosmetische Aspekt: Kleider machen Leute, Brillen aber auch. Nicht jeder fühlt sich sofort mit dem neuen Brillenmodell wohl, auch wenn es beim Optiker noch so gut gefallen hat. Das Brillengestell kann sich erheblich auf das Selbstbild auswirken. Auch hier ist Geduld in der Gewöhnungszeit gefragt.

Allgemeine Tipps zur Eingewöhnung – Schritt für Schritt

  1. Geduld bewahren! – Wenige Tage bis zwei Wochen sind normal für die Eingewöhnung.
  2. Hilfe suchen, wenn sich die Probleme nicht lösen. – Die erste Anlaufstelle sollte der Optiker sein. Lässt sich hier keine Abhilfe schaffen, sollte ein Augenarzt aufgesucht werden.
  3. Sich nicht zu viel zumuten. – Für die Eingewöhnung ist in das dauerhafte Tragen sinnvoll, dabei sollte aber der Alltag angepasst werden. Schnelle Bewegungen, Autofahren oder ständige Umgebungswechsel können zur schnellen Ermüdung der Augen und verstärktem Schwindel führen.
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