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Augenuntersuchung bei Kindern und Säuglingen- Was ist wichtig?
Um Fehlsichtigkeit und Augenkrankheiten frühzeitig zu erkennen sollten die Augen von Säuglingen bereits im ersten Lebensjahr untersucht werden. Doch wie läuft die Untersuchung der kleinen ab und was sollten Eltern beachten?
geschrieben von Moritz Wettstein am 3. Juli 2020 und geprüft von Dr. med. Andreas Künster
Nach höchsten wissenschaftlichen Standards verfasst und von Experten geprüft.

Die Augenuntersuchung bei Kindern und von Säuglingen erfordert sowohl vom Augenarzt als auch von den Eltern einen Geduldsfaden aus Stahl. In dem folgenden Text bereiten wir Eltern auf die erste Untersuchung des Kindes vor, damit sie möglichst stressfrei abläuft. Außerdem klären wir die Frage, wie Kinder die Welt nach der Geburt sehen und wann das Sehvermögen komplett ausgebildet ist. Viel Spaß beim Lesen!

Die Augenuntersuchung – Je früher desto besser

Sehfehler und Sehschwächen lassen sich bei Säuglingen und Kindern äußerlich nur schwer erkennen und werden daher oftmals zu spät entdeckt. Eine frühzeitige und regelmäßige Untersuchung der Augen ist daher entscheidend für die Gesundheit der Augen und die Sehkraft. Denn je früher ein Problem diagnostiziert und behandelt wird, desto besser stehen die Heilungschancen. Durch korrigierende Sehhilfen und gezieltes Augentraining kann die Entwicklung der Sehkraft normalisiert und künftigen Problemen vorgebeugt werden.

Wichtig ist in jedem Fall eine Überprüfung der Sehkraft und der Augenstellung. Die dafür erforderlichen Untersuchungen sollten spätestens im zweiten – besser aber im ersten Lebensjahr erfolgen.

In einigen Fällen sollte die Augenuntersuchung dringend im ersten Lebensjahr oder sogar umgehend erfolgen. Zu diesen gehören unter anderem:

  • das Kind kneift ein oder beide Augen zu
  • die Augen des Kindes tränen
  • es hält den Kopf schief
  • das Kind bewegt sich auffallend ungeschickt
  • es liegen chronische Entzündungen der Lidränder vor
  • bei sichtbarem Schielen
  • das Kind ist ein Frühgeborenes
  • es liegen vererbbare Augenerkrankungen in der Familie vor

Augenuntersuchung bei Säuglingen und Kindern – warum ist sie schwieriger als bei Erwachsenen?

Die Augenuntersuchung bei Säuglingen und Kleinkindern ist schwieriger als bei Erwachsenen. Die kleinen Erdenbürger halten zum einen noch nicht ruhig still und zum anderen können sie nicht sagen, ob sie scharf oder verschwommen sehen.

Für die Untersuchung sollte daher ein Arzt aufgesucht werden, der Erfahrung im Bereich der Untersuchung und Behandlung von Kindern hat. Außerdem kann die Untersuchung länger als gewohnt dauern.

Ärztin bei der Augenuntersuchung eines Säuglings
Ärztin bei der Augenuntersuchung eines Säuglings

Die Entwicklung des Sehens bei Kindern

Das Sehsystems ist bei Neugeborenen bereits vollständig ausgeprägt. Doch die optische Wahrnehmung und die Bildverarbeitung im Gehirn wollen trotzdem gelernt sein.

Anfänglich werden lediglich starke Kontraste erkannt. Farben können jedoch kaum gesehen und unterschieden werden und auch das räumliche Sehen ist noch nicht möglich. Im Alter von zwei Monaten können Säuglinge langsam Gegenstände im Nahbereich ausmachen und visuell voneinander unterscheiden. Erst mit etwa drei Monaten sind Säuglinge in der Lage, Grundfarben zu erkennen. Die Sehschärfe steigt von der Geburt bis etwa zum 12. Lebensmonat von 10 auf ca. 50 Prozent an.

Die Sehschärfe ist erst zwischen dem vierten und fünften Lebensjahr vollständig gegeben. Das räumliche Sehen ist mit 9 Jahren so gut wie bei einem Erwachsenen ausgebildet. Es kann jedoch durch Risikofaktoren (latentes Schielen) noch bis zum 12. Lebensjahr destabilisiert werden. Im neunten Lebensjahr ist das Gesichtsfeld jedoch noch um etwa 30% eingeschränkt, erst mit zwölf Jahren entspricht das Gesichtsfeld dem eines Erwachsenen.

Warum ist die frühzeitige Augenuntersuchung so wichtig?

Das Sehvermögen und die Bildverarbeitung entwickelt sich während der Kindheit. In dieser Entwicklungsphase auftretende Augenprobleme können langfristige und verheerende Folgen haben. Fehlstellungen und Sehschwächen können dazu führen, dass sich das Sehsystem nicht korrekt ausbilden kann und müssen deshalb frühzeitig korrigiert werden.

Die Folge einer fehlenden frühzeitigen Behandlung kann eine lebenslange Sehschwäche sein. Dadurch kann die Berufswahl eingeschränkt und das tägliche Leben erschwert werden.

Die Untersuchungen – Was und wie oft wird untersucht?

Die erste Untersuchung der Augen erfolgt direkt nach der Geburt durch Hebammen oder Gynäkologen. Bei Säuglingen, in deren Familien bestimmte Augenerkrankungen vorliegen, sollte die zweite Augenuntersuchung im Alter von sechs Monaten erfolgen. Jedoch ist auch für alle anderen Kinder eine Untersuchung während des ersten Lebensjahres sinnvoll.

Spätestens im zweiten Lebensjahr sollte eine die erste Augenuntersuchung erfolgen. Dadurch werden eventuell bestehende Probleme früh erkannt und können möglichst früh behoben werden. Die Funktionen des Sehsystems können sich dadurch optimal entwickeln.

Vor der Untersuchung werden in der Regel Augentropfen verabreicht, die die Pupillen erweitern und somit die Diagnostik ermöglichen. Dadurch kann das Brechungsvermögen der Augen durch die sogenannte Skiaskopie untersucht werden. Dadurch kann eine eventuell drohende oder bestehende Schwachsichtigkeit (Amblyopie) aufgrund einer extremen Fehlsichtigkeit ausgeschlossen werden. Zudem werden Tests im Hinblick auf Fehlstellungen der Augen durchgeführt, die ein Schielen hervorrufen können.

Augenärztin bei der Skiaskopie - Augenuntersuchung von Kindern
Augenärztin bei der Skiaskopie

Die Untersuchung unterscheidet sich nur geringfügig von der Untersuchung bei Erwachsenen. Der Arzt muss mit Geduld und Einfühlungsvermögen vorgehen, da die Mitarbeit bei Säuglingen und Kindern noch nicht gegeben ist.

Besonderheiten bei der Untersuchung von Kindern

Aufgrund der fehlenden Kooperation der Kinder sowie kürzeren Wach- und Aufmerksamkeitsphasen sollten vor und bei der Augenuntersuchung einige Punkte beachtet werden.

Eltern sollten bei der Terminvereinbarung angeben, dass es sich um die Augenuntersuchung bei einem Kind handelt. Dadurch kann ausreichend Untersuchungszeit eingeplant und lange Wartezeiten vermieden werden. Dadurch bleibt das Kind während der gesamten Untersuchung möglichst kooperativ.

Der Arzt und eine darauf ausgelegte Praxis werden die Eltern umfassend darüber informieren, wann welche Tropfen zur Vorbereitung verabreicht werden müssen. Außerdem wird er die Eltern auf den Ablauf der Untersuchung und eventuelle Schwierigkeiten vorbereiten.

Fazit

Um eine optimale Entwicklung der Sehfähigkeit von Säuglingen sicherzustellen, müssen die Augen des Kindes frühzeitig untersucht werden. Im besten Fall findet die Augenuntersuchung im ersten, spätestens jedoch im zweiten Lebensjahr statt. Bei Auffälligkeiten, wie beispielsweise sichtbarem Schielen oder häufig tränenden Augen sollten Eltern umgehend einen Termin mit einem Augenarzt vereinbaren. Dadurch können eventuell vorliegende Fehlsichtigkeiten früh erkannt und unmittelbar behandelt werden.

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