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Bindehautentzündung bei Kindern und Babys – was muss ich beachten?
Egal ob zusammen mit einer Erkältung oder wie aus dem Nichts, fast jedes Kind bekommt ab und zu eine Bindehautentzündung. Die meisten verlaufen harmlos - dennoch gibt es einige Dinge, die Eltern beachten sollten.
geschrieben von Moritz Wettstein am 16. November 2021 und geprüft von Dr. med. Thomas Schwarz
Nach höchsten wissenschaftlichen Standards verfasst und von Experten geprüft.
Bindehautentzündungen Kinder oder Babys im Kindesalter sind häufig. Was muss ich tun?

Bindehautentzündungen bei Kinder oder Babys im Kindesalter sind häufig, da Kleinkinder sich tagsüber oft ins Gesicht fassen und noch kein ausgeprägtes Gespür für eine gute Händehygiene haben. Die Symptome sind ähnlich wie bei Erwachsenen: Gerötete, verklebte Augen, die brennen oder jucken können. Bei der Behandlung kommt es auf die Ursache der Konjunktivitis an – viral, bakteriell oder allergisch.

Bindehautentzündung Kindern – wann zum Arzt?

Bei jeder Bindehautentzündung im Kindesalter sollten Eltern einen Termin beim Kinder- oder Augenarzt vereinbaren. So kann nicht nur die Ursache bestimmt werden, sondern es wird gleichzeitig auch ausgeschlossen, dass sich ein Fremdkörper im Auge befindet. Diverse Augentropfen und -salben kann man zwar auch ohne Rezept in der Apotheke kaufen, trotzdem sollten Eltern immer zuerst einen Arzt zu Rate ziehen, vor allem wenn Kinder regelmäßig unter Bindehautentzündungen leiden.

Ansteckende Bindehautentzündung Kindern – was sind notwendige Vorsichtsmaßnahmen?

Bei Kindern sind bakterielle Bindehautentzündungen am häufigsten. Zu Beginn ist zwar oft nur ein Auge betroffen, doch da Kinder ihre Augen häufig reiben, wird schnell auch die andere Seite gerötet sein. Es ist daher wichtig, dass Kinder sich regelmäßig die Hände waschen und ausschließlich ihre eigenen Handtücher verwenden. Sofern Augentropfen verschrieben wurden, sollten diese vorsichtig ins Auge gegeben werden, ohne das Augenlid zu berühren. Besonders hygienisch sind Einmaldosen, die nach der Verwendung sofort entsorgt werden.

Sowohl bakterielle als auch virale Bindehautentzündungen sind ansteckend. Außerdem ist es kaum möglich, einem Kind das Augenreiben abzugewöhnen. Daher sollten betroffene Kinder nicht in die Schule oder KiTa geschickt werden, bis die Entzündung ausgeheilt ist. Bei einer allergischen Bindehautentzündung – beispielsweise durch Heuschnupfen – ist diese Vorsichtsmaßnahme natürlich nicht nötig und das Kind muss nicht zuhause bleiben.

Bindehautentzündung bei Babys – ein harmloses Wehwehchen?

In den ersten Lebensmonaten sind verklebte Augen bei den meisten Babys normal, da die Tränenkanäle noch verengt oder verschlossen sein können. Damit Keime sich in der gestauten Flüssigkeit nicht verbreiten können, sollten Eltern die Augen des Babys daher regelmäßig reinigen.
Bei Neugeborenen sind viele Bindehautentzündungen bakteriell bedingt. Etwa 40 Prozent der Konjunktivitisfälle bei Babys unter vier Wochen lassen sich beispielsweise auf eine Chlamydieninfektion unter der Geburt zurückführen.

Leidet ein Baby länger als sechs Monate unter geröteten Augen, sollte ein Arzt beurteilen, ob die
Tränenkanäle
noch immer zu eng oder eventuell verstopft sind.

Bindehautentzündung Baby: eine Untersuchung
Bindehautentzündung Baby: eine Untersuchung

Bindehautentzündung bei Kindern und Babys behandeln – Antibiotika und Co.

Bei der Behandlung einer Bindehautentzündung kommt es auf die Ursache an. Eine bakterielle Konjunktivitis lässt sich mit Antibiotika relativ einfach in den Griff bekommen und die Beschwerden sollten sich nach ein paar Tagen deutlich bessern. Eine virale Bindehautentzündung dagegen heilt normalerweise ohne Medikamente aus.

Bei einer durch Herpesviren ausgelösten Konjunktivitis können allerdings Augentropfen (beispielsweise mit dem Wirkstoff Aciclovir) notwendig werden. Bei allergisch bedingter Bindehautentzündung werden anti-allergische Wirkstoffe eingesetzt.

Augentropfen lassen sich bei Kindern am einfachsten im Liegen verabreichen. Sie werden idealerweise in den inneren Augenwinkel getropft, so dass sie beim Augenöffnen an die richtige Stelle fließen können.

Bindehautentzündung bei Kindern – gibt es Hausmittel?

Hausmittel können unterstützend wirken und eine Bindehautentzündung schneller abheilen lassen. Auf den oft empfohlenen Kamillentee sollten Eltern allerdings verzichten, da dieser zu starken Reizungen führen kann. Eine gute Alternative sind Augentropfen mit Euphrasia (Augentrost), die verschreibungsfrei in der Apotheke erhältlich sind. Daneben ist es wichtig, grelles Licht, Zugluft und direkte Sonneneinstrahlung zu meiden, um die Augen zu schonen. Wenn die Augen morgens stark verklebt sind, können Eltern sie vorsichtig mit Wasser oder isotonischer Kochsalzlösung reinigen.

Bei Säuglingen wird gelegentlich Muttermilch gegen Bindehautentzündung empfohlen. Davon raten jedoch viele Ärzte ab, da Muttermilch Fette und Zucker enthält und damit einen idealen Nährboden für Keime bilden kann.

Bindehautentzündung während der Schwangerschaft – worauf muss ich achten?

Auch wenn es neben anderen Schwangerschaftsbeschwerden natürlich unangenehm hervorsticht, ist eine Konjunktivitis während der Schwangerschaft in der Regel nicht gefährlich. Dennoch sollte jede Bindehautentzündung während der Schwangerschaft ärztlich abgeklärt werden.

Viele Schwangere fürchten mögliche Komplikationen für ihr ungeborenes Kind, wenn sie Medikamente einnehmen müssen – davon sind Augentropfen natürlich nicht ausgenommen. Die meisten vom Augenarzt verschriebenen Augentropfen und -salben können allerdings auch in der Schwangerschaft bedenkenlos verwendet werden. Je nach Ursache kann der Augenarzt also ein Antibiotikum oder Antihistaminikum verschreiben, ohne dass diese Medikamente negative Auswirkungen auf das ungeborene Kind haben. Manchmal ist eine vermeintliche Bindehautentzündung lediglich auf die veränderte Zusammensetzung der Tränenflüssigkeit während der Schwangerschaft zurückzuführen. Durch diese Veränderung kommt es bei Schwangeren häufig zu trockenen, geröteten Augen. Auch hier können Augenärzte und Apotheker passende Augentropfen empfehlen.

Fazit

Im Kindesalter heilen die meisten Bindehautentzündungen ohne Komplikationen aus. Eltern sollten jedoch immer einen Arzt konsultieren, damit eine auf die Entzündung angepasste Behandlung eingeleitet werden kann. Bei einer viralen oder bakteriellen Konjunktivitis ist es wichtig, dass das Kind nicht in die KiTa oder Schule geschickt wird. Daneben brauchen die Augen auch zuhause viel Ruhe, um schnell auszuheilen. Wenn die Augen dauerhaft entzündet sind, sollten unbedingt organische Ursachen (wie beispielsweise ein verengter Tränenkanal) abgeklärt werden.

Quellen

Sachsenweger, M. (2003). Duale Reihe Augenheilkunde. Stuttgart: Thieme.
Gelbe Liste – Konjunktivitis – Symptome, Diagnostik, Therapie (unter https://www.gelbe-liste.de/krankheiten/konjunktivitis-bindehautentzuendung)
MSD Manuals – Neonatale Konjunktivitis (unter https://www.msdmanuals.com/de-de/profi/pädiatrie/infektionen-des-neugeborenen/neonatale-konjunktivitis)

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