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Das trockene Auge – ein komplexes Krankheitsbild
Wie unangenehm: mal wieder zu lange vor dem Computerbildschirm oder unter der Klimaanlage im Flugzeug gesessen? Dann erwarten dich oft schon am nächsten Tag trockene, brennende Augen.
geschrieben von Moritz Wettstein am 30. Dezember 2021 und geprüft von Dr. med. Thomas Schwarz
Nach höchsten wissenschaftlichen Standards verfasst und von Experten geprüft.
Trockenes Auge Symptome zeigen sich wenn aus irgendeinem Grund zu wenig Tränenflüssigkeit gebildet wird oder diese zu schnell verdunstet, trocknen die Augen stark aus.

Trockenes Auge Symptome zeigen sich, wenn zu wenig Tränenflüssigkeit gebildet wird oder diese zu schnell verdunstet, trocknen die Augen stark aus. Daneben können bestimmte Erkrankungen oder hormonelle Schwankungen trockene Augen verursachen. Aber was genau versteht man unter trockenen Augen, woran erkenne ich sie und vor allem: Was kann ich dagegen tun?

Der Tränenfilm – was ist das eigentlich und wie wird er gebildet?

Den Flüssigkeitsfilm auf unserem Augapfel bezeichnet man als Tränenfilm. Er wird durch den Lidschlag auf der Augenoberfläche verteilt und schützt die Horn- und die Bindehaut vor dem Austrocknen. Darüber hinaus ernährt er die Hornhaut, da diese keine eigenen Gefäße besitzt und somit auf die Versorgung durch den Tränenfilm angewiesen ist. Da der Tränenfilm keimtötende Substanzen enthält, schützt er das Auge vor Infektionen.

Verschiedene Zellen und Drüsen sind an der Bildung des Tränenfilms beteiligt:1. Die innerste Schicht wird von den Becherzellen der Bindehaut gebildet. Sie ist eine Schleimschicht (Muzinschicht) und ermöglicht eine gute Haftung von Wasser auf der Augenoberfläche. Für den hohen Wassergehalt der Muzine sorgt die mittlere Schicht:

1. Die innerste Schicht wird von den Becherzellen der Bindehaut gebildet. Sie ist eine Schleimschicht (Muzinschicht) und ermöglicht eine gute Haftung von Wasser auf der Augenoberfläche. Für den hohen Wassergehalt der Muzine sorgt die mittlere Schicht:

2. Die mittlere Schicht wird von den Tränendrüsen gebildet. Sie ist eine wässrige Schicht (und am dicksten). Sie beinhaltet neben Wasser auch Glucose, Sauerstoff und verschiedene Nährstoffe für die Hornhaut. Für die Immunabwehr zuständig sind die enthaltenen Proteine Lysozym, Laktoferrin und Albumin.

3. Die äußerste Schicht, bzw. die Lipidschicht. Sie wird von den sogenannten „Meibom-Drüsen“ (an den Augenlidern befindliche Talgdrüsen) gebildet. Ihr Öl erhöht die Stabilität des Tränenfilms und bildet eine glatte Grenzschicht zur Umgebungsluft.

Der Tränenfilm und was bei trockenen Augen damit passiert
Der Tränenfilm und wie es bei trockenen Augen aussieht

Der dreischichtige Aufbau des Tränenfilms mit seiner äußeren Fettschicht sorgt dafür, dass wir eine makellos glatte Augenoberfläche besitzen. So wird die Lichtbrechung nicht gestört und wir haben eine perfekte Sehschärfe. Störungen der Dicke und Regelmäßigkeit des Tränenfilms führen sofort zu einer Verschlechterung des Sehens – beispielsweise zu verschwommenem Sehen, wenn zu viel Tränenflüssigkeit im Auge ist. Ist dagegen zu wenig Tränenflüssigkeit vorhanden oder geht diese zu schnell verloren, führt dies zu trockenen Augen.

Was genau versteht man unter einem „trockenen Auge“?

Das trockene Auge ist eine Erkrankung der Augenoberfläche, oft „Keratokonjunktivitis sicca“ genannt, für die es eine breite Palette an Ursachen gibt. Ungefähr jeder Fünfte leidet mehr oder weniger oft unter trockenen Augen, wobei Frauen und Kontaktlinsenträger etwas häufiger betroffen sind als andere.

Es gibt zwei Haupttypen trockener Augen, die evaporative Form und die hyposekretorische (oder hypovolämische) Form. In den meisten Fällen ist eine gestörte Benetzungsfunktion des Tränenfilms für die unangenehmen Symptome verantwortlich. Dies ist bei der evaporativen Keratokonjunktivitis sicca der Fall, bei der die Tränenflüssigkeit schneller verdunstet als normalerweise und nicht mehr ausreichend vorhanden ist. Der zweite Typ – die hyposekretorische Form – wird durch einen allgemeinen Tränenflüssigkeitsmangel hervorgerufen und betrifft meist Frauen in der Menopause. Auch manche Erkrankungen können die Ursache für diese Form der Keratokonjunktivitis sicca sein.

Was sind Anzeichen für trockene Augen?

Wenn zu wenig Tränenflüssigkeit vorhanden ist, fühlen sich die Augen gereizt an und sind gerötet. Sie können außerdem brennen und jucken. Oft haben Betroffene ein Fremdkörpergefühl, beispielsweise so als wäre Sand ins Auge geraten. Ein früher Hinweis auf trockene Augen ist zudem eine verschlechterte Sehschärfe (häufig z.B. verschwommenes Sehen). Paradoxerweise kommt es bei trockenen Augen manchmal auch zu Augentränen, was eine rechtzeitige Diagnose verzögern kann.

Anzeichen für trockene Augen und trockenes Auge Syndrome
Anzeichen für trockene Augen

Welche Ursachen gibt es für trockene Augen?

Eine der häufigsten Ursachen für trockene Augen ist heutzutage der Computer. Bei der Arbeit am Bildschirm verändert sich die Lidschlagfrequenz: Wir blinzeln nur noch ungefähr fünfmal pro Minute – anstatt der normalen 20 Lidschläge. Dadurch verdunstet der Tränenfilm stärker als üblicherweise und die Augen trocknen aus. Obwohl Laptop und PC auch zuhause viel genutzt werden, hat sich für dieses Krankheitsbild mittlerweile der Begriff „Office-Eye-Syndrom“ eingebürgert. Daneben gibt es zahlreiche weitere Ursachen, wie beispielsweise Zigarettenrauch, Schlafmangel, Kontaktlinsen, Klimaanlagen oder trockene Raumluft. Aber auch ganz normale hormonelle Schwankungen können zu trockenen Augen führen. Aufgrund der Hormonumstellung in der Schwangerschaft oder den Wechseljahren beispielsweise leiden Frauen oft unter trockenen Augen.

Was sind medizinische Ursachen für trockene Augen?

Erkrankungen wie Diabetes, Vitamin-A-Mangel, Rheuma oder Rosazea können mit trockenen Augen einhergehen. Ebenso lassen Störungen der Schilddrüsenfunktion die Augen oft austrocknen.

Daneben führen manche Erkrankungen des Immunsystems zu trockenen Augen. Das Sjögren-Syndrom beispielsweise ist eine Autoimmunerkrankung, die zu einer Entzündung der Speichel- und Tränendrüsen führt. Dadurch wird nicht mehr genügend Tränenflüssigkeit gebildet und die Betroffenen haben ständig ein unangenehmes, reibendes Fremdkörpergefühl unter ihren Augenlidern.

Auch Erkrankungen der Lidranddrüsen wie beispielsweise eine Lidrandentzündung oder eine Meibom-Drüsen-Dysfunktion führen zu einem instabilen Tränenfilm. Als Folge dessen verdunstet der wässrige Anteil schneller und das Auge wird trocken.

Sonderfall: Die trockene Makuladegeneration

Dass im Alter die Sehkraft langsam nachlässt, ist völlig normal. Manche Menschen leiden allerdings unter Erkrankungen, die ihr Sehvermögen erheblich beeinträchtigen können. Die häufigste Ursache für diese deutliche Sehminderung ist die sogenannte „altersbedingte Makuladegeneration“ (AMD). Mit der Zeit geht bei der trockenen AMD im Bereich des scharfen Sehens die Sehfähigkeit verloren. Das bedeutet, dass der zentrale Bereich der Netzhaut – aufgrund seiner Farbe auch „Macula lutea“ („Gelber Fleck“) genannt – in seiner Funktion gestört ist. Vor allem Menschen und Gegenstände, auf die der Blick gerichtet wird, erscheinen dann verschwommen und verzerrt. Für die trockene Form der Makuladegeneration gibt es momentan noch keine ursächliche Therapie. Obwohl es der Name vermuten lässt, ist sie jedoch normalerweise keine direkte Folge trockener Augen.

Wann muss ich bei trockenen Augen zum Arzt gehen?

Je nachdem, welche Ursache trockene Augen haben, ist ein Arztbesuch unumgänglich. Wenn die Beschwerden länger andauern und es sich nicht um eine kurzfristige Reaktion auf Zugluft oder Bildschirmarbeit handelt, sollten ernsthafte Erkrankungen der Augen immer von einem Experten ausgeschlossen werden.

Anhand von Veränderungen der Gesichts- und Lidhaut lassen sich oft schon Verdachtsdiagnosen stellen. Der Arzt wird außerdem die Augen gründlich mit einer Spaltlampe untersuchen, um Schäden an der Hornhaut auszuschließen. Zur weiteren Diagnose trockener Augen eignet sich der sogenannte „Schirmer-Test“. Dabei wird ein Papierstreifen in den Rand des Augenlids eingehängt, der daraufhin die Menge der in fünf Minuten entstehenden Tränenflüssigkeit misst. Daneben kann die Tränenfilm-Aufrisszeit mittels BUT-Test („Break-Up-Time-Test“) gemessen werden. Bei diesem Test betrachtet der Arzt den mit Fluorescein angefärbten Tränenfilm, der normalerweise eine Aufreißzeit von mindestens 20 Sekunden zeigen sollte.

Hier findet eine Abbildung der Bestandteile der Tränendrüsenorgane statt.
Bestandteile der Tränendrüsenorgane

Wie werden trockene Augen behandelt?

In den meisten Fällen werden trockene Augen mit Tränenersatzmitteln behandelt. Diese sind grob in drei Kategorien eingeteilt: synthetische Polymere wie Polyacrylate oder Polyvidon, Hydroxyethylcellulose (und andere Cellulosederivate) und Hyaluronsäure. Sie sind als Augentropfen oder -gele erhältlich und somit einfach in der Handhabung. Welches Medikament angewandt wird, entscheidet der Augenarzt anhand der Schwere der Symptomatik. Bei nur leichten Beschwerden reichen wässrige Lösungen meist aus, bei schlimmeren Beeinträchtigungen verschreiben Ärzte eher stärker viskose Präparate mit Hyaluronsäure. Auch trockene Augen aufgrund eines Sjögren-Syndroms oder anderer Erkrankungen werden vorwiegend symptomatisch behandelt, beispielsweise mit Tränenersatzmitteln. In schweren Fällen können Kortikosteroide und Parasympathomimetika verschrieben werden.

Sobald die Augentropfen mehr als viermal täglich eingesetzt werden, sollten sie konservierungsmittelfrei sein, da Konservierungsmittel wie beispielsweise Benzalkoniumchlorid die Augen zusätzlich reizen würden. Nachts bieten sich anstatt Augentropfen eher Gele und Salben an, da sie eine längere Verweildauer im Auge aufweisen.
Bei geröteten und gereizten Lidrändern eignen sich Augensprays (beispielsweise mit Phospholipiden oder Hyaluronsäure). Sie werden einfach auf die geschlossenen Augenlider gesprüht und gelangen durch die Lidspalte nach und nach ins Auge. Augensprays sind bequem in der Handhabung und vor allem bei Juckreiz vorteilhaft, da sie eine kühlende und lindernde Wirkung haben.

Eine andere Möglichkeit zur Behandlung trockener Augen sind sogenannte „Punctum Plugs“, die wie kleine Stöpsel in die Tränenkanäle eingesetzt werden. So kann die Tränenflüssigkeit nicht mehr ablaufen und verbleibt länger auf der Augenoberfläche. In besonders schweren Fällen kann der Arzt die Tränenkanäle dauerhaft veröden. Dies sollte allerdings wohlüberlegt sein, da es nicht rückgängig gemacht werden kann. Ausführlichere Tipps zur Behandlung von trockenen Augen gibt es in unserem Artikel „Behandlung trockener Augen: Diese Mittel helfen“ und in unserem FAQ.

Fazit

Die Zusammensetzung des dreischichtigen Tränenfilms ist perfekt auf unsere Augenoberfläche abgestimmt und sorgt jederzeit für eine klare Sicht. Trockene Augen hingegen – egal ob durch eine Erkrankung oder den eigenen Lebenswandel bedingt – sind nicht nur ein lästiges Ärgernis, sondern auch ein komplexes Krankheitsbild. Hervorgerufen werden sie meist durch schädliche Umwelt- und Lifestylefaktoren, wie beispielsweise Klimaanlagen, Heizungsluft, zu wenig Schlaf oder lange Bildschirmzeiten.

Glücklicherweise gibt es heutzutage eine große Auswahl an rezeptfreien Tränenersatzmitteln (meist in Form von Augentropfen, -gelen oder -sprays), die schnelle Linderung bringen. Beim ersten Auftreten von gereizten, geröteten und trockenen Augen sollte dennoch in jedem Fall ein Augenarzt konsultiert werden, um eventuell zugrunde liegende Erkrankungen auszuschließen. Dieser kann nicht nur die Therapie überwachen, sondern in schweren Fällen weitere Therapiemaßnahmen (wie einen temporären oder dauerhaften Verschluss der Tränenkanäle) einleiten.

Da man trockene Augen nur symptomatisch behandeln – und nicht heilen – kann, sollte die Prophylaxe immer an erster Stelle stehen. Ein gesunder Lebenswandel mit einer ausgewogenen Ernährung, ausreichend Entspannung und viel frischer Luft wirkt sich positiv auf die Augengesundheit aus.

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