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Die Gesichtsfelduntersuchung – Warum und wie wird sie durchgeführt?
Konzentriere Deinen Blick auf einen Punkt und schaue nicht mehr davon weg. Der Bereich, den Du nun wahrnehmen kannst, ist das Gesichtsfeld Deiner Augen. Wir zeigen dir in diesem Text, wie das Gesichtsfeld untersucht wird.
geschrieben von Moritz Wettstein am 24. Juli 2020 und geprüft von Dr. med. Andreas Künster
Nach höchsten wissenschaftlichen Standards verfasst und von Experten geprüft.

Die Gesichtsfeldmessung wird in der Fachsprache Perimetrie genannt. Sie ist ein diagnostisches Verfahren in der Augenheilkunde, mit dem das Gesichtsfeld bestimmt wird. Was ist das Gesichtsfeld, wann ist eine Gesichtsfelduntersuchung notwendig, welche Untersuchungsmethoden gibt es und wie läuft sie ab? Antworten auf diese und weitere Fragen erhalten Sie hier.

Was ist das Gesichtsfeld?

Das Gesichtsfeld ist der Bereich, der wahrgenommen wird, wenn sich ein Auge auf einen zentralen Punkt konzentriert, wobei jedes Auge ein eigenes Sehfeld hat. Sind beide Augen intakt, überlappen sich die beiden Sehfelder, sodass ein gemeinsames Gesichtsfeld entsteht. Zu unterscheiden ist das Gesichtsfeld vom Blickfeld. Das ist der Bereich, der bei ruhiggestelltem Kopf und mit maximaler Blickbewegung des Auges gesehen werden kann.

Was bedeutet es, wenn sich das Gesichtsfeld verändert?

Neben der Sehschärfe ist das Gesichtsfeld mitverantwortlich für eine korrekte Sehfunktion. Insbesondere bei der Fortbewegung ist ein intaktes Gesichtsfeld von elementarer Bedeutung. Es hilft nicht nur bei der Orientierung, sondern stellt sicher, dass neu auftauchende Gefahren rechtzeitig erkannt werden können. Das gilt besonders für das Auto- oder Radfahren, wenn schnelles Handeln gefordert ist, um einen Zusammenprall oder Unfall zu verhindern. Verantwortlich für die Veränderung des Gesichtsfeldes können bestimmte Erkrankungen oder natürliche Alterungsprozesse sein.

Wann ist eine Gesichtsfelduntersuchung sinnvoll?

Eine Gesichtsfelduntersuchung ist grundsätzlich immer dann sinnvoll, wenn ein Patient Ausfälle im Gesichtsfeld bemerkt, die auch Skotome genannt werden. Diese Ausfälle gehen regelmäßig auf verschiedene Erkrankungen zurück, die nicht nur das Auge betreffen. Allerdings werden Einschränkungen des Gesichtsfeldes vom Patienten nicht ohne weiteres erkannt. Grund dafür ist, dass der durch kleine absolute Skotome bedingte Sichtverlust durch das Gehirn ausgeglichen und deshalb vom Patienten nicht bewusst wahrgenommen wird. Dieser Ausgleich funktioniert jedoch nicht bei sogenannten relativen Skotomen, die von Betroffenen als graue, verschwommene Bereiche wahrgenommen werden. Insgesamt werden vier verschiedene Sachverhalte unterschieden, bei denen eine Gesichtsfelduntersuchung sinnvoll ist.

1. Eine Gesichtsfeldmessung sollte immer dann durchgeführt werden, wenn Sehstörungen, Beeinträchtigungen beim Lesen, Helligkeitsverluste und Orientierungsstörungen auftreten sowie bei Nachtblindheit (Nyktalopie).

2. Im Rahmen einer Diagnosestellung ist die Perimetrie von entscheidender Bedeutung. Das gilt für die Diagnose des Grünen Stars (Glaukom), für Erkrankungen der Netzhaut und für neurologische Erkrankungen (beispielsweise nach einem Schlaganfall) oder bei einer Gürtelrose im Gesicht.

3. Wichtig ist die Gesichtsfelduntersuchung auch bei der Verlaufskontrolle bzw. Behandlungsnachsorge – zum Bespiel bei einem Glaukom oder nach einer Augenoperation.

4. Auch aus beruflichen Gründen kann eine Gesichtsfelduntersuchung notwendig sein, wenn die Sehtüchtigkeit fachärztlich bescheinigt werden soll.

Wie läuft eine Gesichtsfelduntersuchung ab?

Der richtige Ansprechpartner für eine Gesichtsfelduntersuchung ist ein Facharzt für Augenheilkunde. Die Gesichtsfelduntersuchung wird grundsätzlich an jeweils einem Auge (also monokular) und in einem verdunkelten Raum durchgeführt. Durch die Raumverdunkelung werden die Lichtreflexe, die bei der Untersuchung eingesetzt werden, vom Patienten besser wahrgenommen. Für die Augenuntersuchung wird das Kinn des Patienten im Zentrum des Perimetriegerätes aufgelegt und die Stirn fixiert. Die Untersuchung wird auf beiden Augen jeweils getrennt durchgeführt. Das andere Auge wird dabei abgedeckt.

Aufgabe des Patienten ist nun, einen bestimmten Punkt anzusehen. Er darf seinen Blick während der Untersuchung nicht mehr von diesem Punkt abwenden. Nimmt er nun ein Lichtsignal innerhalb seines Sichtfeldes wahr, muss er einen Signalknopf betätigen. Nimmt der Patient ein Lichtsignal nicht wahr, ist dies ein Indiz für einen Einschränkung des Gesichtsfeldes.

Die Gesichtsfeldmessung wird in der Fachsprache Perimetrie genannt. Sie ist ein diagnostisches Verfahren in der Augenheilkunde, mit dem das Gesichtsfeld bestimmt wird.

Welche Methoden gibt es, eine Gesichtsfelduntersuchung durchzuführen?

Eine grobe Einschätzung des Gesichtsfeldes kann der behandelnde Augenarzt bereits durch die sogenannte Fingerperimetrie vornehmen. Dabei fixiert der Patient mit einem Auge einen Punkt, während der Arzt von außen aus verschiedenen Richtungen den Finger in das Gesichtsfeld bewegt. Der Patient gibt ein vereinbartes Zeichen, sobald er den Finger wahrnimmt. Dieser Test ist einfach in der Durchführung, liefert aber keine zuverlässige Diagnose. Doch es stehen weitere Methoden für die Gesichtsfelduntersuchung zur Verfügung:

Die statische Perimetrie als am häufigsten angewandte Untersuchungsmethode

Die statische Perimetrie wird mit einem computergesteuerten Perimeter durchgeführt. Der Patient richtet seinen Blick nach vorne auf einen Fixpunkt. Auf dem halbrunden Testbildschirm erscheinen Lichtpunkte an unterschiedlichen Stellen und in unterschiedlicher Intensität. Erkennt der Patient einen Lichtreflex aufgrund der geringen Helligkeit nicht und gibt er kein Signal ab, erhöht der Computer automatisch die Lichtintensität an derselben Stelle, bis sie wahrgenommen wird. Die statische Perimetrie dient dazu, die Reizschwellen verschiedener Punkte der Netzhaut zu bestimmen. Die daraus gewonnenen Ergebnisse werden als Graustufen- oder Farbausdruck dargestellt.

Die Gesichtsfeldmessung wird in der Fachsprache Perimetrie genannt. Beispielhaftes Ergebnis einer Perimetrie
Beispielhaftes Ergebnis einer Perimetrie

Die kinetische Perimetrie mit einem mechanischen Hebelsystem

Bei der kinetischen Perimetrie wird ein Hohlkugelperimeter nach Goldmann verwendet. Dazu fixiert der Patient einen Punkt im Zentrum der Hohlkugel, wobei der Abstand zwischen dem Auge und dem Fixationspunkt 33 Zentimeter betragen muss. Während der Arzt darauf achtet, dass der Patient das Auge ruhig hält, bewegt er die Lichtmarken von der Peripherie der Halbkugel zum Zentrum, indem er ein mechanisches Hebelsystem betätigt. Die Punkte, an denen der Patient erstmalig ein Lichtsignal wahrnimmt, werden im Ergebnis miteinander verbunden, wobei die Verbindungslinie zwischen den einzelnen Punkten als Isoptere bezeichnet wird. Das sind die Punkte, die eine identische Netzhautempfindlichkeit aufweisen.

Computergestützte Perimetrie Gesichtsfelduntersuchung
Computergestützte Perimetrie

Flimmerperimetrie, Blau- und Gelbperimetrie und Frequenzverdoppelungsperimetrie als Spezialuntersuchungen

Bei schleichend fortschreitenden Erkrankungen, zum Beispiel bei Grünem Star oder Hirntumoren, sind regelmäßige Kontrollen des Gesichtsfeldes erforderlich. Dafür stehen spezielle Gesichtsfelduntersuchungen zur Verfügung, mit denen Schäden der Nervenzellen in einem sehr frühen Stadium nachgewiesen werden können. So machen es die Flimmerperimetrie, die Blau- und Gelbperimetrie und die Frequenzverdoppelungsperimetrie möglich, noch früher Veränderungen festzustellen und zu einem entsprechend frühen Zeitpunkt notwendige medizinische Maßnahmen zu ergreifen.

Birgt die Gesichtsfelduntersuchung Risiken?

Für keines der für die Gesichtsfelduntersuchung verwendeten Verfahren gibt es Kontraindikationen. Wichtig ist jedoch die Mitarbeit des Patienten, ohne die eine Perimetrie nicht durchgeführt werden kann. Da es sich um eine nicht-invasive Untersuchung handelt, also um eine nicht in den Körper eindringende Methode, sind keine Komplikationen zu erwarten. Dem Patienten wird allerdings eine hohe Konzentration abverlangt, sodass es im Anschluss an die Untersuchung in Ausnahmefällen zu Augenbrennen und Kopfschmerzen kommen kann.

Worauf muss bei einer Gesichtsfelduntersuchung geachtet werden?

Eine Gesichtsfelduntersuchung kann niemals ohne die Unterstützung des Patienten durchgeführt werden. Auch während der Untersuchung ist der Arzt auf die Mithilfe des Patienten angewiesen, um ein verlässliches Ergebnis zu erzielen. Wichtig ist, dass der Patient das jeweilige Auge während der Perimetrie nicht bewegt und seinen Blick fortwährend auf das Fixierkreuz richtet. Höchste Konzentration ist gefragt, wenn es darum geht, bei Wahrnehmung einer Leuchtmarke zeitnah das Signal auszulösen. Dafür kann es notwendig sein, während der Gesichtsfelduntersuchung Pausen einzulegen. Werden die Augen für eine kurze Entspannung geschlossen, bricht das computergesteuerte Programm automatisch ab. Die Untersuchung wird fortgesetzt, sobald die Augen wieder in der richtigen Position und geöffnet sind.

Fazit

Die Gesichtsfelduntersuchung ist ein anspruchsvolles Verfahren, das jedoch keinerlei Risiken für den Patienten birgt. Jedoch verlangt die Untersuchung höchste Konzentration des Patienten – nur dann kann er die Lichtimpulse wahrnehmen und den Signalknopf betätigen. Einschränkungen im Gesichtsfeld werden dann ersichtlich, wenn der Patient die Lichtimpulse nicht sieht.

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