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Die Netzhautuntersuchung – Warum ist sie so wichtig?
Das Sehen ist nur mit Hilfe einer gesunden Netzhaut möglich. Dort werden Lichtimpulse in elektronische Impulse gewandelt, die von den Nervenzellen des Gehirns verarbeitet werden können. In diesem Text verraten wir dir, warum eine Untersuchung der Netzhaut wichtig ist!
geschrieben von Moritz Wettstein am 6. Juli 2020 und geprüft von Dr. med. Andreas Künster
Nach höchsten wissenschaftlichen Standards verfasst und von Experten geprüft.

Unser Auge ist ein sehr komplexes Organ, das aus vielen verschiedenen Bauteilen und Schichten besteht. Eine genaue Untersuchung des Auges ist notwendig, um eventuelle Krankheiten oder Beeinträchtigungen frühzeitig feststellen zu können. Eine der wichtigsten Untersuchungen ist die sogenannte Netzhautuntersuchung. Dabei wird der Augenhintergrund genauer betrachtet.

Was ist die Netzhaut des Auges?

Die Netzhaut des Auges befindet sich im hinteren Teil des Auges. Sie trägt den lateinischen Namen „Retina“ und wandelt Licht in Nervenimpulse um. Damit sortiert sie die visuellen Informationen, die auf das Auge treffen. Erst wenn diese Informationen kontrolliert und geordnet sind, werden sie über den Sehnerv ins Gehirn weitergeleitet.

Aufgebaut ist die Retina aus mehreren verschiedenen Zellschichten, von denen jede einzelne Schicht spezielle Funktionen hat. Millionen von Zellen müssen dabei auf einem sehr engen Raum zusammenarbeiten. Daher wird die Netzhaut gerne als „Außenstelle des Gehirns“ bezeichnet.

Ohne Netzhaut können wir nicht sehen

Die Lichtinformationen treffen auf die Netzhaut und werden dort in elektrische Impulse umgewandelt. Diese Impulse werden anschließend von den Nervenzellen des Gehirns verarbeitet.

Außerdem sorgt die Retina dafür, dass die empfangenen Einzelinformationen gebündelt und verstärkt werden. Sie werden mit anderen Informationen verglichen und in sogenannte rezeptive Felder eingeteilt. Durch das frühzeitige Verarbeiten der Informationen ist das Gehirn in der Lage, entsprechende Bilder zu senden und uns das Sehen zu ermöglichen.

Die Untersuchung der Netzhaut

Um eine Kontrolle des Augenhintergrundes und somit eine Betrachtung der Netzhaut zu ermöglichen, bedarf es einiger Vorarbeiten. Augentropfen werden für die Erweiterung der Pupillen zum Einsatz gebracht. Das ermöglicht dem Augenarzt einen besseren Einblick auf die Netzhaut und ein größeres Blickfeld für die Betrachtung des Augenhintergrundes.

Die Erweiterung der Pupillen sorgt jedoch auch für einen deutlich größeren Lichteinfall. Die meisten Patienten fühlen sich dann leicht geblendet und das eigentliche Sehen wird während der Wirkung der Augentropfen eingeschränkt. Ein eigenständiges Autofahren nach der Untersuchung der Netzhaut ist daher für etwa 3-4 Stunden nach Anwendung der Augentropfen verboten. Die Fahrfähigkeit ist während dieser Zeit beeinträchtigt.

Nachdem die Pupillen erweitert wurden, kann der Augenarzt mithilfe einer speziellen Lupe den Augenhintergrund betrachten. Dies kann in Form einer Vorsorgeuntersuchung, einer routinemäßigen Untersuchung oder im Rahmen einer Untersuchung bei Verdacht auf ein spezielles Krankheitsbild erfolgen.

Bild einer Netzhaut aus der Sicht des Untersuchers bei der Netzhautuntersuchung
Bild einer Netzhaut aus der Sicht des Untersuchers bei der Netzhautuntersuchung

Viele Erkrankungen des Auges machen sich zuerst am Augenhintergrund und somit an der Netzhaut bemerkbar. Ein Augenarzt kann diese Erkrankungen schon in einem sehr frühen Stadium feststellen und kontrollieren. Untersucht werden die Netzhaut und der Sehnervenkopf. Im Sehnervkopf werden die zum Gehirn laufenden Nervenfasern gebündelt.

An der Netzhaut können unter anderem die Blutgefäße, die Netzhautmitte (Makula), die Stelle des schärfsten Sehens (Fovea) sowie die äußere Netzhaut (Peripherie) betrachtet werden.

Was passiert bei einer Netzhautspiegelung?

Die Funduskopie – die sogenannte Netzhautspiegelung – dient der Erkennung von Strukturveränderungen an der Netzhaut, die pathologisch (krankhaft) sind. Durch die Erweiterung der Pupillen hat der Augenarzt die Möglichkeit, Netzhautveränderungen zu erkennen und diese zu behandeln. Je früher Veränderungen festgestellt werden, umso größer der Behandlungserfolg.

Für das Betrachten des Augenhintergrundes setzt der Augenarzt verschiedene technische Hilfsmittel ein. An erster Stelle stehen hier Spaltlampe und Lupe.

Untersuchungsmethoden bei einer Netzhautuntersuchung

Mit der Spaltlampe und der Lupe werden die zentralen Anteile der Netzhaut genau untersucht. Die Spiegelung des Augenhintergrundes zeigt Veränderungen im Bereich der Netzhaut, der Aderhaut, der versorgenden Blutgefäße, des gelben Fleckes und des Sehnervkopfes an.

Untersuchung der Netzhaut an der Spaltlampe

Mittels einer OCT-Untersuchung können am Auge mikroskopisch die einzelnen Netzhautschichten untersucht werden. Dadurch können krankhafte Veränderungen wesentlich genauer als mit Spaltlampe und Lupe erkannt werden. Ähnlich wie bei einer Computertomographie werden durch Lichtwellen Schnittbilder von der Netzhaut des Auges in sehr hoher Auflösung erzeugt.

Müssen die Gefäße der Netzhaut deutlicher dargestellt werden, wendet der Augenarzt eine sogenannte „Fluoreszenzangiografie“ an. Dafür wird ein Kontrastmittel über die Vene des Armes gespritzt. Mithilfe des Farbstoffes können die Netzhautgefäße deutlicher abgebildet und Anomalien und Leckagen der Gefäße besser erkannt werden.

Der Optomap ist ebenfalls ein beliebtes Instrument bei einer Netzhautuntersuchung. Er ist mit einem Ultra-Weitwinkel-Netzhaut-Bildgebungssystem ausgestattet. Etwa 80 % der Netzhaut können damit in einem qualitativ hochwertigen digitalen Bild aufgenommen werden. Andere Methoden erlauben lediglich Netzhaut-Bilder, die 10 bis 15% der Netzhaut auf einer Abbildung erfassen.

Welche Krankheiten können festgestellt werden?

Die Netzhaut kann vielschichtig erkranken. Zu den häufigsten Krankheitsbildern zählen:

  • Degenerative Veränderungen, vor allem im Bereich der Makula, die altersbedingte Makuladegeneration
  • Genetisch und toxisch bedingte Makulaveränderungen
  • Netzhautablösungen, in der Regel durch Netzhautlöcher in der peripheren Netzhaut hervorgerufen
  • Tumore
  • Gefäßveränderungen, wie systematische Veränderungen durch Bluthochdruck und Diabetes mellitus
  • Krankhafte Veränderungen des Sehnervs, wie Optikusatrophie durch zu hohen Augendruck oder zu hohen Hirndruck oder nach Durchblutungsstörungen

Kurzsichtige Menschen haben statistisch betrachtet ein höheres Risiko bei degenerativen Veränderungen an der Netzhaut. Unabhängig vom Alter.

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