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Habe ich einen Sehfehler? Die Refraktion genau erklärt
Sehfehler verschiedenster Art schränken die Brechfähigkeit des Auges und damit die Sehkraft ein. Zur Identifikation solcher Sehfehler werden verschiedene Sehtests durchgeführt, die wir Dir in diesem Text vorstellen!
geschrieben von Moritz Wettstein am 17. August 2020 und geprüft von Dr. med. Andreas Künster
Nach höchsten wissenschaftlichen Standards verfasst und von Experten geprüft.

Die Brillenglasbestimmung beschreibt einen Prozess, bei dem zunächst die Art und der Umfang des vorliegenden Sehfehlers bestimmt werden. Anschließend werden verschiedene Brillengläser ausprobiert, die zur Korrektur der Sehschwäche führen. Dadurch kann gezielt die passende Sehhilfe für jeden Patienten gefunden werden.  

Was bedeutet Refraktion? 

Rund um das Auge bestehen viele Fachbegriffe, die einem Laien nur bedingt geläufig sind. Der Fachausdruck der „Refraktion“ beschreibt die Fähigkeit des Auges, das Licht zu brechen und das gesehene Bild auf der Netzhaut scharf darzustellen. Die Refraktion wird auch als „Brechkraft des Auges“ bezeichnet. Beträgt der gemessene Refraktions-Wert Null, dann liegt eine Normalsichtigkeit vor. Weicht das Ergebnis bei der Refraktion jedoch vom Null-Wert ab, spricht man von einer Ametropie, also einer Fehlsichtigkeit. 

Ein Sehfehler ist daran erkennbar, dass betrachtete Objekte unscharf und Konturen verschwommen erscheinen. In diesem Fall wird das wahrgenommene Bild nicht direkt auf der Netzhaut abgebildet. Ein solcher Sehfehler wird entweder durch die Zuhilfenahme einer Sehhilfe oder operativ behoben. Durch Kontaktlinsen oder eine Brille kann die Brechung des Lichtes korrigiert und das Bild wieder exakt auf der Netzhaut abgebildet werden. So entsteht auf der Netzhaut und durch die durch die Weiterverarbeitung im Gehirn wieder ein scharfes Bild.  

Was macht der Augenarzt beim Sehtest?

Ein Sehtest wird durchgeführt, um die Art des Sehfehlers zu erkennen sowie den Umfang, in dem die Sehkraft dadurch eingeschränkt wird. Das geschieht im ersten Schritt mithilfe eines sogenannten Autorefraktometers. Dieses leuchtet in das Innere des Auges hinein und bildet dabei ein ganz bestimmtes Muster auf der Netzhaut des Auges ab. Sieht der Patient das Muster unscharf, stellt das Refraktometer das Bild automatisch schärfer ein. Dabei kontrolliert das Gerät, welcher Korrekturwert benötigt wird, um ein scharfes Bild auf der Netzhaut zu erzeugen. Der Autorefraktometer legt damit fest, welche Korrektur mithilfe einer Brille oder Kontaktlinsen gegeben werden muss. 

Untersuchung mittel Autorefraktometer

Der Augenarzt nimmt diese automatisch erstellten Ergebnisse (sogenannte objektive Refraktion) als Ausgangspunkt für eine individuelle Brillenglasbestimmung (sogenannte subjektive Refraktion). Bei der subjektiven Refraktion werden verschiedene Brillengläser ausprobiert, die laut den Ergebnissen der zuvor durchgeführten objektiven Refraktion in der Lage sind, die Sehschwäche des Patienten zu korrigieren. Möglichkeiten, Brillengläser auszuprobieren werden durch die Messbrille oder den Phoropter geboten. Ein Phoropter ist ein Gerät, das dem Patienten vor die Augen gehalten wird und in dem die Gläser automatisiert in verschiedenen Stärken dargeboten werden können.

Untersuchungsaufbau mittels Phoropter

Nachdem die passenden Brillengläser identifiziert werden konnten, wird die Sehfähigkeit getestet. Dafür wird das Sehen in der Ferne und in der Nähe und das räumliche Sehen jeweils pro Auge geprüft. Erst wenn der Patient alle Bilder scharf wahrnehmen kann, kann eine passende Brille bzw. passende Kontaktlinsen ausgewählt werden. Diese werden genau auf die Sehschwäche des Patienten abgestimmt und sorgen dadurch für eine optimale Sicht.  

Objektive und subjektive Refraktion im Detail 

Grundsätzlich wird zwischen einer objektiven Refraktionsbestimmung und einer subjektiven Refraktionsbestimmung unterschieden (s.o.). Bei der objektiven Refraktionsbestimmung kommt der Autorefraktometer zum Einsatz. Der Patient muss nichts weiter tun, als in dieses Gerät hinein zu schauen und einen ruhigen Blick zu behalten. Er muss weder Fragen beantworten, noch aktiv am Geschehen teilnehmen. 

Die dadurch entstandenen Ergebnisse dienen einer ersten Orientierung. In vielen Fällen sind sie schon sehr genau und helfen dem Augenarzt, einen Richtwert für eine mögliche Korrektur festzulegen. Trotzdem reicht es nicht aus, die objektive Refraktionsbestimmung als festen Wert für die Anfertigung einer Brille oder Kontaktlinsen zu nutzen. Es muss zusätzlich eine subjektive Refraktionsbestimmung stattfinden. 

Bei der subjektiven Refraktionsbestimmung arbeitet der Patient aktiv mit. Der Augenarzt gibt die im Vorfeld ermittelten Werte in eine Messbrille oder einen Phoropter ein. Es wird geschaut, ob an diesem Ergebnis noch Verbesserungen vorgenommen werden müssen. Dafür gibt der Augenarzt verschiedene Gläser in die Messbrille und der Patient muss entscheiden, ob er mit diesen Gläsern besser oder schlechter sieht. Die Aussage muss schnell getroffen werden, damit das Auge sich nicht an die unterschiedlichen Werte gewöhnt und das Ergebnis verfälscht wird. Bei der subjektiven Refraktionsbestimmung wird sowohl das sphärische Glas als auch das zylindrische Glas bestimmt.  

Zum Sehtest gehört immer eine Tafel (oder Projektor/Monitor) auf der Buchstaben, Zahlen, Bilder und die sogenannten Landoltringe  in unterschiedlichster Größe abgebildet werden. Durch einen Blick auf die Tafel kann der Patient feststellen, ob er durch die Sehhilfe besser sehen kann und die Korrektur somit korrekt ist. Auch das räumliche Sehen kann dadurch geprüft werden.

Welche Werte gibt es bei Sehfehlern? 

Um eine Korrektur von einem Sehfehler vornehmen zu können, werden eine Brille oder Kontaktlinsen benötigt. Die Werte, die bei Sehfehlern vorliegen können, sind relativ unterschiedlich. Es gibt sphärische Sehfehler und astigmatische Sehfehler (s.o.). Ferner besteht die Möglichkeit, ein Prisma zu ermitteln (um ein Schielen der Augen auszugleichen), das dann in die Brille eingearbeitet werden muss. Ebenso wird geprüft, ob eine altersbedingte Fehlsichtigkeit vorliegt, die nach einer entsprechenden zusätzlichen Korrektur verlangt.  

Die meisten Betroffenen kennen die Sehfehler aber unter der Bezeichnung Kurzsichtigkeit, Weitsichtigkeit, Astigmatismus, Alterssichtigkeit und Winkelfehlsichtigkeit sowie das Schielen. All diese Fehler können mithilfe einer Refraktion beziehungsweise einer Brillenglasbestimmung über den Augenarzt ermittelt werden.

Probleme der Sehfehlerbestimmung 

Probleme bei der Sehfehlerbestimmung können immer auftreten. Das ist völlig normal, da bei der subjektiven Refraktion die Meinung des Patienten gefragt ist und diese durch unterschiedlichste äußere Einflüsse mitunter nicht korrekt dargelegt wird. Beispielsweise dann, wenn der Patient nicht sofort seinen Seheindruck einschätzt, sondern einige Sekunden wartet und das Auge sich an das entsprechende Ergebnis angepasst hat. Dann kann es dazu kommen, dass nicht der beste Korrekturwert ermittelt werden kann. 

Auch eine Überkorrektur kann auftreten. Hier gilt es, immer genau zu prüfen, bis zu welchem Punkt korrigiert werden soll und wann eine Überkorrektur stattfindet. Unter anderem muss darauf geachtet werden, dass beide Augen im Einklang sind und nicht ein Auge besser sieht als das andere Auge. Die Gleichheit ist wichtig, um das binokulare Sehen, also das Sehen mit beiden Augen, in vollem Umfang ermöglichen zu können. Große Unterschiede zwischen dem rechten und dem linken Auge können zudem auch den Gleichgewichtssinn beeinträchtigen.  

Refraktion bei Kindern – was ist zu beachten?  

Die subjektive Refraktionsuntersuchung basiert auf der Mitarbeit des Patienten. Geben Kleinkinder falsche oder unkonkrete Antworten auf die bei dem Test gestellten Fragen, kann kein genaues Ergebnis ermittelt werden. Zudem können kleinere Kinder noch nicht lesen, so dass sie teilweise weder die Zahlen noch die Buchstaben benennen können. Des Weiteren können Kinder die Augenlinse noch sehr stark verformen (=akkommodieren), was zu einer fehlerhaften Refraktionsbestimmung führen kann. In vielen Fällen ist daher das Weittropfen der Pupille und damit eine Lähmung der Akkommodationskraft Voraussetzung für eine korrekte Refraktionsbestimmung. 

Bei Kindern sollte generell der Augenarzt für die Refraktion ausgesucht werden. Der Augenarzt wird eine hohe Gewichtung auf die objektive Refraktion legen und für die subjektive Refraktion Sehtafeln nutzen, auf dem beispielsweise Tiere und Gegenstände abgebildet sind. 

Ist die Refraktion kostenlos?

Die meisten Augenoptiker bieten eine Refraktion als kostenlosen Service an, weil sie davon ausgehen, dass der Kunde im Anschluss auch eine Sehhilfe kauft. Die Refraktion wird also als Service angesehen. Wird diese beim Augenarzt durchgeführt, dann kann die Refraktion über die Krankenkasse abgerechnet werden. Egal ob der Patient privatversichert ist oder einer gesetzlichen Krankenkasse angehört. Sollten Kosten entstehen, müssen diese im Vorfeld genau benannt werden.  

Fazit  

Mithilfe der Brillengalsbestimmung kann zunächst der Sehfehler erkannt und dessen Ausmaß bestimmt werden. Im Anschluss wird der notwendige Korrekturwert bestimmt. Daraufhin kann der Augenarzt eine Brille oder Kontaktlinsen auswählen, die exakt zu der vorliegenden Sehbeeinträchtigung des Patienten passt. Damit wird die Brechkraft des Auges korrigiert, sodass wahrgenommene Bilder wieder auf der Netzhaut erscheinen. Im Ergebnis sieht der Patient wieder scharfe Bilder.  

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