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Harte Kontaktlinsen – das Wichtigste zusammengefasst
Harte oder weiche Kontaktlinsen? Diese Entscheidung ist nicht immer einfach, denn beide Varianten haben interessante Vorteile. Hier stellen wir Dir die formstabilen Kontaktlinsen ausführlich vor und erleichtern Dir dadurch die Entscheidung!
geschrieben von Moritz Wettstein am 28. Dezember 2021 und geprüft von Optikermeister Hans-Peter Platten
Nach höchsten wissenschaftlichen Standards verfasst und von Experten geprüft.
Formstabile Kontaktlinsen haben diverse Vorteile gegenüber ihrer weichen Alternative. Erfahre mehr über harte Kontaktlinsen.

Die Vorstellung, eine feste und unbewegliche Kontaktlinse im Auge zu haben, wirkt zunächst abschreckend. Doch harte Kontaktlinsen haben diverse Vorteile gegenüber ihrer weichen Alternative. Beispielsweise können sie weitaus stärkere Fehlsichtigkeit ausgleichen und überzeugen darüber hinaus durch eine gute Verträglichkeit! Zudem ist das Tragegefühl harter Linsen deutlich angenehmer, als es auf den ersten Blick erscheint.

Wichtige Fakten zu harten Kontaktlinsen

Harte Kontaktlinsen wurden in den 50er Jahren erfunden. Sie haben ihren Namen zur damaligen Zeit nicht ohne Grund erhalten. Die formastabilen Linsen bestanden damals aus festem Plexiglas, dass beim Tragen für ein unangenehmes Druckgefühl sorgte.

Die heute verwendeten Materialien sind zwar nach wie vor deutlich fester als die Materialien weicher Kontaktlinsen, dennoch sind die Linsen heute äußerst flexibel. Formstabile Kontaktlinsen sind mit einem Durchmesser von 8 bis 11 mm erhältlich und sind dadurch wesentlich kleiner als die weiche Variante. Jedoch sind die Linsen robuster und müssen nicht regelmäßig ersetzt werden. Ein Wechselturnus von zwei Jahren wird angestrebt.

Formstabile Kontaktlinsen schwimmen direkt auf der Hornhaut des Auges. Das bringt den Vorteil, dass der Tränenfilm zwischen der Hornhaut und der Kontaktlinse bei jedem Lidschlag erneuert wird. Dadurch gelangt dauerhaft neuer Sauerstoff an das Auge. Diese Eigenschaft macht formstabile Kontaktlinsen verträglich für das Auge und ermöglicht ein Tragen der Linsen über einen längeren Zeitraum.

Hinweis: Die Bezeichnung „Harte Kontaktlinsen“ ist veraltet. Mithilfe der heutigen Materialzusammensetzungen sind die Linsen nicht mehr steif, sondern leicht flexibel. Aus diesem Grund werden die Linsen heutzutage als formstabile Kontaktlinsen bezeichnet. Im Volksmund wurde der Begriff „harte Kontaktlinsen“ jedoch noch nicht vollständig abgelöst.

Sehen wie ein Adler mithilfe der RGP-Linsen?

Formstabile, sauerstoffdurchlässige Kontaktlinsen werden auch als RGP Linsen („rigid gas permeable“) bezeichnet. RGP Linsen sind die am häufigsten verwendete Art formstabiler Kontaktlinsen.

RGP Kontaktlinsen können bei Kurzsichtigkeit, Weitsichtigkeit, Alterssichtigkeit sowie bei einer Hornhautverkrümmung verwendet werden. Die Anwendung der Linsen erfordert jedoch eine längere Eingewöhnungszeit als bei vergleichbaren weichen Kontaktlinsen. Anfangs wird die Linse als Fremdkörper wahrgenommen, weil sie sich bei jedem Lidschlag auf dem Auge bewegt. Die Gewöhnung an formstabile Kontaktlinsen verlangt daher Geduld und Durchhaltevermögen.

RGP-Linsen gelten sind zudem optimal für Kontaktlinsenträger mit trockenen Augen geeignet. Dies ist auf die Materialeigenschaften zurückzuführen. Die Linsen schwimmen auf dem Tränenfilm des Auges und nehmen keine Tränenflüssigkeit auf. Dadurch wird dem Auge keine Flüssigkeit entzogen und das Austrocknen vermieden. Weitere Informationen hierzu findest Du hier.

Moderne formstabile Linsenmaterialien, wie sie bei RGP Linsen verwendet werden, bieten eine bis zu 10-fach erhöhte Sauerstoffdurchlässigkeit gegenüber den alten klassischen Materialien. Die Hornhaut bezieht den benötigten Sauerstoff dabei aus dem Tränenfilm, der zwischen der Linse und der Hornhautoberfläche gebildet wird. Der Sauerstoff wird durch die Linse in den Tränenfilm abgegeben.

Der DK-Wert, also die Sauerstoffdurchlässigkeit bei einer formstabilen Kontaktlinse, liegt je nach Material zwischen 18 und 210. Je dicker das Material der formstabilen Kontaktlinse ist, umso geringer der DK-Wert. Formstabile Kontaktlinsen sind am Rand etwas dicker als in der Mitte. Aus diesem Grund wird für die Linsen ein zweiter DK-Wert angegeben, der sich auf die Sauerstoffdurchlässigkeit in der Mitte bezieht. Dieser DK Wert wird als „DK/t-Wert“ bezeichnet. Liegt dieser DK/t-Wert bei 90, dann ist die Hornhaut bestens mit Sauerstoff versorgt.

Sind formstabile Linsen besser als weiche Kontaktlinsen?

Eine pauschale Antwort auf diese Frage gibt es nicht. Während weiche Linsen durch einen hohen Tragekomfort und eine kurze Eingewöhnung überzeugen, liegen die Vorteile formstabiler Linsen vielmehr in der Korrektur der Sehschwäche.

Mithilfe von formstabilen Linsen sehr starke Astigmatismen deutlich besser ausgeglichen werden. Darüber hinaus gibt es Augenkrankheiten, bei denen ausschließlich eine Korrektur durch formstabile Linsen infrage kommt. Hierbei handelt es sich um die Augenkrankheit Keratokonus oder irregulären Astigmatismus.

Demnach liegt die Entscheidung, ob eine formstabile oder eine weiche Linse verwendet werden soll, manchen Fällen nicht beim Entscheider, sondern wird vom Augenarzt oder Optiker festgelegt. Bei herkömmlichen Fehlsichtigkeiten kannst Du jedoch selbst entscheiden, welche Linsenvariante am besten zu Dir passt.

Die Vorteile formstabile Kontaktlinsen zusammengefasst

Die meisten Kontaktlinsenträger bevorzugen weiche Kontaktlinsen. Doch auch formstabile Kontaktlinsen haben diverse Vorteile. Dazu gehören:

  • Hohe Sauerstoffdurchlässigkeit
  • Formstabile Kontaktlinsen schwimmen auf dem Tränenfilm und unterspülen die Linsen bei jedem Lidschlag mit neuer Tränenflüssigkeit
  • Abtransport von Ablagerungen bei jedem Lidschlag über die Tränenflüssigkeit
  • Gute Langzeitverträglichkeit
  • Nutzungsdauer von bis zu 2 Jahren möglich
  • Auch die Korrektur eines Keratokonus oder eines irregulären Astigmatismus ist möglichen
  • Gut bei trockenen Augen verwendbar

Fazit

Im Beliebtheitsranking stehen formstabile Kontaktlinsen weit hinter der weichen Alternative. Für die meistern Kontaktlinsenträger ist Tragekomfort und einfache Handhabung schlichtweg wichtiger als gute Langzeitverträglichkeit und hohe Nutzungsdauer. Doch besonders für Menschen mit trockenen Augen oder schweren Astigmatismen sind formstabile Linsen die optimale Lösung.

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