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Trockene Augen – Q&A
Unter trockenen Augen leidet heutzutage beinahe jeder Fünfte. Wo liegt die Ursache der trockenen Augen? In unserem FAQ liefern wir Antworten auf diese uns viele weitere Fragen!
geschrieben von Moritz Wettstein am 3. Januar 2022 und geprüft von Dr. med. Thomas Schwarz
Nach höchsten wissenschaftlichen Standards verfasst und von Experten geprüft.
Unter trockenen Augen leidet heutzutage beinahe jeder Fünfte. Wo liegt die Ursache der trockenen Augen?

Unter trockenen Augen leidet heutzutage beinahe jeder Fünfte – und auch wenn das Krankheitsbild harmlos klingt, gestalten sich Diagnose und Therapie nicht immer einfach. Wo liegt die Ursache der trockenen Augen? Und welche Möglichkeiten der Behandlung kommen überhaupt infrage? Wenn du weitere Fragen rund um trockene Augen hast, wirst du hoffentlich in unserem FAQ fündig.

Was versteht man unter „trockenen Augen“?

Das trockene Auge, auch „Keratokonjunktivitis sicca“ genannt, ist eine Benetzungsstörung der Augenoberfläche, für die es verschiedene Ursachen gibt. Forscher gehen davon aus, dass es sich beim trockenen Auge um eine entzündliche Erkrankung ähnlich einer Autoimmunerkrankung handelt, bei der die Augenoberfläche mit der Zeit geschädigt wird. Es gibt zwei Formen trockener Augen: die hypovolämische Form (verminderte Tränenproduktion) und die hyperevaporative Form (vermehrte Verdunstung des Tränenfilms).

Woraus besteht der Tränenfilm?

Der Tränenfilm besteht aus drei Schichten. Die innere Schicht („Schleimschicht“) verbindet den Tränenfilm mit der Hornhaut. Die mittlere Schicht, die wässrig ist und von den Tränendrüsen produziert wird, macht den größten Anteil des Tränenfilms aus und versorgt das Auge mit Nährstoffen. Die äußere Schicht wird von den Meibom-Drüsen produziert und enthält überwiegend Lipide. Sie sorgt unter anderem dafür, dass die Tränenflüssigkeit nicht verdunstet. Die spezifische Zusammensetzung aller drei Schichten ist wichtig für die Infektabwehr und eine normale Sehstärke.

Was sind die Ursachen von trockenen Augen?

Die Ursache von trockenen Augen kann krankheitsbedingt sein, wie unter anderem beim Sjögren-Syndrom, Diabetes mellitus, Rosazea und Störungen der Schilddrüse. Auch operative Eingriffe am Auge (z.B. Grauer Star) können in der Folge zu einem trockenen Auge führen.
Daneben gibt es exogene Ursachen, die trockene Augen hervorrufen, wie zum Beispiel lange Bildschirmarbeit, Heizungsluft oder Klimaanlagen. Auch Kontaktlinsenträger klagen häufig über trockene Augen.

Können trockene Augen durch Medikamente ausgelöst werden?

Verschiedene Medikamente können unter Umständen trockene Augen auslösen, vor allem wenn sie über längere Zeit eingenommen werden. Dazu gehören beispielsweise Psychopharmaka, Hormone, Betablocker und Medikamente gegen Allergien.

Was sind die Symptome von trockenen Augen?

Die Beschwerden bei trockenen Augen sind vielfältig: von Brennen über Jucken, Druckgefühl, Schmerzen, Sehstörungen bis hin zu geschwollenen, verklebten Augenlidern. Viele Betroffene klagen auch über ein Fremdkörpergefühl – ähnlich wie Sandkörner – und Lichtempfindlichkeit.

Kommt verschwommenes Sehen von trockenen Augen?

Verschwommene Sicht kann durch trockene Augen ausgelöst werden, beispielsweise wenn die Augenoberfläche nicht ausreichend mit Flüssigkeit benetzt ist. Meist bessert sich dieser Zustand nach einigen Lidschlägen und verschwindet unter einer geeigneten Behandlung weitgehend.

Wie kann ich trockene Augen behandeln?

Die Behandlung trockener Augen ist komplex und erfolgt meist anhand eines Stufenschemas, je nachdem, wie schwer die Symptome ausgeprägt sind. Tränenersatzmittel (Tropfen, Sprays und Gele) stellen die Basistherapie dar. Darauf aufbauend können Augentropfen aus Eigenserum angewendet werden. Bei stärkeren Beschwerden beginnen Augenärzte meist zusätzlich eine antientzündliche Therapie (z.B. mit Ciclosporin A). In schwersten Fällen können beim hypovolämischen trockenen Auge die Tränenkanäle (temporär oder dauerhaft) verschlossen werden.

Gibt es Hausmittel gegen trockene Augen?

Ein wirksames Hausmittel zur Behandlung trockener Augen ist eine sanfte Lidrandmassage, um die Meibom-Drüsen anzuregen. Diese sollte morgens und abends mit einem warmen Waschlappen für etwa drei bis fünf Minuten durchgeführt werden. Tagsüber helfen bewusstes Blinzeln und Augenschließen, um die Augen feucht zu halten.

Welche operativen Möglichkeiten gibt es bei trockenen Augen?

Als dauerhafte Lösung gegen trockene Augen kann der Augenarzt die Tränenkanäle veröden. Dies lässt sich jedoch nicht rückgängig machen und sollte wohlüberlegt sein. Andere chirurgische Möglichkeiten sind eine Amnionmembrantransplantation, Keratoplastik oder Lidvernähung. Diese kommen allerdings nur in schwersten Fällen (beispielsweise bei persistierenden Hornhautulzerationen) infrage.

Warum tränen meine Augen, obwohl sie trocken sind?

Beim sogenannten „paradoxen Tränenträufeln“ – schließlich sind die Augen ja trocken – ist die Benetzung der Augenoberfläche durch den Tränenfilm gestört. Wenn die äußere Lipidschicht aufreißt, kann die Tränenflüssigkeit schneller verdunsten und der Lidschlag die Hornhaut reizen. Als Reaktion darauf fängt das Auge an, Reflextränen zu produzieren.

Können trockene Augen auch einseitig auftreten?

Normalerweise treten trockene Augen beidseitig auf. Teilweise kann jedoch nur ein Auge betroffen sein (beispielsweise nach einer Augenoperation). Auch bei einer einseitigen Bindehautentzündung kann es zu einem einzelnen trockenen Auge kommen. Bei einem einseitig trockenen Auge sollte immer zeitnah ein Augenarzt aufgesucht werden.

Gibt es einen Zusammenhang zwischen trockenen Augen und Kontaktlinsen?

Unpassende (oder qualitativ minderwertige) Kontaktlinsen können die Beschwerden bei trockenen Augen verstärken oder sogar erst hervorrufen. Durch die Linsen kann sich der Tränenfilm nicht wie gewohnt auf der Augenoberfläche verteilen. In der Folge werden die Augen zu wenig benetzt und es kommt zu Brennen, Juckreiz oder einer Rötung der Augen. Ungefähr die Hälfte der Kontaktlinsenträger (vor allem bei weichen Linsen) entwickelt langfristig mehr oder weniger trockene Augen. Harte Kontaktlinsen sind oft besser geeignet, da sie den Augen weniger Flüssigkeit entziehen als weiche Linsen.

Warum werden Augen mit zunehmendem Alter trockener?

Im Alter bildet sich das Tränendrüsengewebe zurück und somit wird weniger Tränenflüssigkeit gebildet. Gleichzeitig verändert sich auch die Zusammensetzung des Tränenfilms. Dieses Zusammenspiel führt zu trockenen Augen, deren Symptome sich mit steigendem Alter noch verstärken können. Die ersten Beschwerden beginnen oft schon ab 40, daher empfiehlt sich eine frühzeitige Behandlung.

Warum habe ich in der Schwangerschaft trockene Augen?

Während der Schwangerschaft ändert sich der Hormonhaushalt deutlich. Bei vielen Frauen verändert sich die Zusammensetzung des Tränenfilms und dieser reißt schneller auf, so dass die Hornhaut austrocknen kann. Darüber hinaus wird weniger Tränenflüssigkeit produziert. Diese Kombination führt zu Augenbrennen, Jucken und einem unangenehmen Fremdkörpergefühl. Ein Besuch beim Augenarzt und geeignete Tränenersatzmittel können dann meist schnelle Linderung verschaffen. Bei schlimmen Sehstörungen (z.B. Lichtblitze, Flackern oder Flimmern vor den Augen) sollte jedoch ein Gynäkologe aufgesucht werden, da dies auf eine Schwangerschaftskomplikation wie Präeklampsie hinweisen kann.

Ich sehe Lichtblitze – kann das von trockenen Augen kommen?

Normalerweise fallen Lichtblitze nicht unter die beschriebenen Symptome bei trockenen Augen. Bei optischen Phänomenen wie Flimmern und Lichtblitzen vor den Augen kann es sich beispielsweise um eine ophthalmische Migräne handeln, auch „Augenmigräne“ genannt. Das ist eine vorübergehende Sehstörung, die in der Regel harmlos ist und meist sogar ohne Kopfschmerzen verläuft.

Daneben kann es bei einer Migräne mit Aura zu einem sogenannten „Flimmerskotom“ kommen, bei dem die Betroffenen flimmernde Lichtphänomene wahrnehmen, bevor der Kopfschmerz einsetzt.

Lichtblitze vor den Augen können aber auch ein Warnsignal für Komplikationen wie eine Netzhautablösung sein. Wenn dieses Phänomen also zum ersten Mal auftritt, ist ein Besuch beim Augenarzt dringend angeraten.

Kann ich von trockenen Augen Kopfschmerzen bekommen?

Viele Arten von Kopfschmerzen gehen von den Augen aus, dies gilt natürlich auch bei einem Mangel an Tränenflüssigkeit. In den meisten Fällen ist allerdings nicht das trockene Auge, sondern Überanstrengung die Ursache – beispielsweise im Zusammenhang mit unkorrigierten Fehlsichtigkeiten oder Konzentrationsaufgaben bei zu wenig Licht. Auch Entzündungen der vorderen Bereiche des Auges und ein Glaukomanfall können zu starken Kopfschmerzen führen.

Genauso können aber auch Kopfschmerzen wiederum zu trockenen Augen führen: Menschen, die unter Migräne leiden, haben beispielsweise ein größeres Risiko für trockene Augen als Menschen ohne chronische Kopfschmerzerkrankungen. Bei Kopfschmerzen unklarer Ursache lohnt sich also immer ein Besuch beim Augenarzt.

Wie kann ich trockene Augen im Alltag vermeiden?

Zur Vermeidung trockener Augen gibt es einige wirksame Maßnahmen wie beispielsweise eine ausreichende Trinkmenge, genügend Schlaf und regelmäßige Spaziergänge an der frischen Luft. Klimaanlagen, Zigarettenrauch und lange Bildschirmzeiten dagegen sollten gemieden werden. Mehr Empfehlungen gibt es in unserem Artikel „Alltagstipps: so vermeidest du trockene Augen“.

Sind trockene Augen heilbar?

Sofern sie nicht im Rahmen einer vorübergehenden Episode aufgrund einer Fehlbelastung (Umwelt, Medikamente etc.) auftreten, handelt es sich bei trockenen Augen um eine chronische Erkrankung. Vor allem bei schweren Symptomen ist daher eine ausreichend lange Therapiedauer wichtig. Unter augenärztlicher Kontrolle können die meisten Betroffenen – mit etwas Geduld – beinahe komplett beschwerdefrei werden.

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