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Brillenversicherung: Was selbst die Nachbarn nicht wissen
Brillenversicherungen stehen hoch im Kurs und werden oft beim Kauf einer neunen Brille abgeschlossen. Viele Anbieter werben mit umfassenden Leistungen zum kleinen Preis. Doch lohnt sich der Abschluss einer solchen Versicherung?
geschrieben von Moritz Wettstein am 17. Mai 2020 und geprüft von Optikermeister Hans-Peter Platten
Nach höchsten wissenschaftlichen Standards verfasst und von Experten geprüft.

Wenn die teure Gleitsichtbrille herunterfällt und die Gläser zerspringen, entstehen meist hohe Reparaturkosten. Wohl dem der eine Brillenversicherung abgeschlossen hat und den Schaden erstattet bekommt. Doch worauf ist beim Abschluss einer solchen Versicherung zu achten? Lohnt sie sich immer?

Was ist eine Brillenversicherung?

Mit einer Brillenversicherung kann die Sehhilfe gegen Schäden und Verlust versichert werden. Außerdem leisten einige Versicherungsanbieter eine Zuzahlung beim Brillenneukauf im Abstand von ein bis zwei Jahren oder wenn sich die Sehkraft um eine bestimmte Dioptrienzahl verändert hat.

Welche Leistungen in der Brillenversicherung enthalten sind, ist abhängig von dem jeweiligen Anbieter.

Was für Leistungen können von einer Brillenversicherung erwartet werden?

Ein gute und sinnvolle Brillenversicherung kann unter anderem die folgenden Leistungen umfassen:

  • Ersatz bei Verlust oder Beschädigung der Brille
  • Übernahme von Reparaturkosten – sofern der Schaden nicht durch Fremdverschulden entstanden ist
  • Zuzahlungen bei neuen Brillen im Abstand von ein bis zwei Jahren oder bei Veränderungen der Sehkraft über eine bestimmte Dioptrienzahl.

Ob ein Brillenträger versehentlich auf die eigene Brille tritt oder sie gestohlen wird – die Brillenversicherung sollte hier greifen. Kommt es jedoch durch Fremdverschulden zum Brillenschaden, übernimmt die Haftpflichtversicherung des Schadenverursachers die Kosten. In einigen Fällen kann auch die Hausratversicherung die Kosten für die Reparatur oder den Ersatz übernehmen.

Zu beachten ist, dass beim Neukauf einer Brille meist nicht die kompletten Kosten, sondern bis zu 80 oder 90 Prozent beziehungsweise ein Maximalbetrag von 300 bis 400 Euro übernommen werden.

Für wen lohnt sich eine Brillenversicherung?

Eine Brillenversicherung ist vor allem für Brillenträger mit einer hochwertigen, teuren Brille sinnvoll. Besonders bei Gleitsichtbrillen oder speziell beschichteten Brillengläsern ist die Versicherung sinnvoll. Generell gilt: Je teurer die Brille, desto kostspieliger wäre eine Ersatzbrille und umso ratsamer ist der Abschluss einer Brillenversicherung.

Hinzu kommen die folgenden Fälle, in denen sich eine Brillenversicherung bezahlt machen kann:

  • häufiger Brillenwechsel: Wer mit der Mode gehen möchte und häufiger ein neues Modell will, kann von der zusätzlichen Versicherung profitieren.
  • erhöhte Gefahr für Beschädigungen: Aktives Hobby oder Freizeitsport? Hier läuft die Brille eher Gefahr, Schaden zu nehmen. Eine Versicherung ist sinnvoll, wenn sie Schäden in Form von Kratzern oder Bruch durch derartige Aktivitäten abdeckt.
  • zunehmende Sehschwächen: Etwa bis Mitte der 20er Jahre und zwischen dem 40. und 65. Lebensjahr nehmen Sehschwächen vergleichsweise schnell zu. Dadurch ändern sich die Dioptrienzahlen häufiger und es wird entsprechend öfter eine neue Brille fällig. Die Versicherung kann sich dadurch in vergleichsweise kurzer Zeit bezahlt machen.

Für wen lohnt sich die Brillenversicherung nicht?

Für Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre bezahlt die Krankenkasse einen Zuschuss für den Brillenkauf. Dieser ist jedoch nicht so hoch, dass die komplette Brille über die Kasse abgerechnet werden kann. Zudem sollte auch eine Kinderbrille entspiegelt und durch eine kratzfeste Beschichtung unterstützt werden. Diese Kosten müssen privat getragen werden. Eine Brillenversicherung kann demzufolge bereits bei Kinderbrillen lohnend sein.

Welche Anbieter gibt es bei Brillenversicherungen?

Brillenversicherungen können sowohl bei Optikern als auch bei privaten Versicherungsanbietern abgeschlossen werden.

Welche Kosten fallen für eine Brillenversicherung an?

In der Regel kosten die Versicherungen zwischen circa 5 und 15 Euro pro Monat. Bezogen auf ein Jahr ergeben sich folglich Kosten von etwa 60 bis 180 Euro.

Die Höhe der Prämien richtet sich zum einen nach dem Umfang der Versicherungspolice und zum anderen danach, ob der Versicherungsnehmer bereits Brillenträger ist. Auch das Alter und eventuell bestehende Vorerkrankungen und Sehfehlern sind dabei relevant.

Worauf muss vor Abschluss der Brillenversicherung geachtet werden?

Wer über eine Brillenversicherung nachdenkt, sollte im Vorfeld sehr genau vergleichen. Eine Hilfe stellen hier vor allem entsprechende Vergleichsportale dar. Unter anderem sollten dabei die folgenden Faktoren berücksichtigt und verglichen werden:

  • Versicherungsleistungen: Werden Kosten nur für bestimmte Schäden übernommen oder auch beim Verlust der Brille? Wie oft und in welcher Höhe gibt es Zuzahlungen zu neuen Brillen?
  • Fragen bei Versicherungsabschluss: Wenn der Versicherungsanbieter umfassende Fragen zum Gesundheitszustand stellt, sollte lieber ein anderes Angebot wahrgenommen werden.
  • genauer Kostenvergleich: Zahlt die Versicherung im Abstand von zwei Jahren 80 Prozent der neuen Brille, aber maximal 300 Euro? Wenn die Versicherungsprämie für ein Jahr bei 180 und somit für zwei Jahre bei 360 Euro liegt, lohnt sich das Abschließen eventuell nicht. Das Geld könnte dann monatlich eigenständig zurückgelegt werden.
  • Vertragliche Bindungen an bestimmte Optiker: Wird die Brillenversicherung direkt bei einem Optiker abgeschlossen, dient sie unter anderem der Kundenbindung. Auch andere private Anbieter können aber Optiker als Vertragspartner haben. Dadurch wären die Versicherungsnehmer fest an bestimmte Optiker gebunden.

Besonders wichtig ist, den Vertragstext sehr genau zu lesen. So lassen sich negative Überraschungen vermeiden.

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