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Intraokularlinsen: Brillenfreiheit trotz Grauem Star
Beim Grauen Star hilft nur eine operative Entfernung der eingetrübten Augenlinse. Eine künstliche Linse kann aber nicht nur die Sehkraft wiederherstellen, sondern auch Fehlsichtigkeit ausgleichen. Wir erklären, welche Arten von Intraokularlinsen es gibt und was sie bewirken.
geschrieben von Moritz Wettstein am 3. August 2022 und geprüft von Dr. med. Andreas Künster
Nach höchsten wissenschaftlichen Standards verfasst und von Experten geprüft.
Intraokularlinsen Grauer Star oder Intraokularlinsen Katarkt – wie diese entstehen ud wie die Intraokularlinsen helfen

Intraokularlinsen (IOL) werden bei einer Katarakt-OP verwendet. Die Augenlinse wird in der Regel durch eine künstliche Standardlinse (Intraokularlinse) ersetzt. Diese sorgt dafür, dass die Betroffenen wieder ohne Einschränkungen sehen können. Soll durch die Operation aber nicht nur der Graue Star behandelt, sondern auch Sehstörungen ausgeglichen werden, können spezielle Intraokularlinsen die passende Wahl sein. Man unterscheidet dabei unter anderem zwischen multifokalen, akkommodierenden und torischen Intraokularlinsen.

Was sind multifokale Intraokularlinsen und wie funktionieren sie?

Multifokale Intraokularlinsen funktionieren ähnlich wie Gleitsichtbrillen. Sie ermöglichen verschiedene Sehstärken, so dass Kurzsichtigkeit und Alterssichtigkeit mit der gleichen Kunstlinse ausgeglichen werden können. Das bedeutet, dass die Sehschärfe in der Nähe und in der Ferne sowie in allen dazwischenliegenden Bereichen korrigiert wird. Wer sich also eine größtmögliche Brillenfreiheit wünscht, sollte sich für eine multifokale IOL entscheiden.

Vorteile und Nachteile der multifokalen Intraokularlinsen

Der maßgebliche Vorteil multifokaler Kunstlinsen liegt in dem großen Sichtbereich, in dem die Sehschärfe wiederhergestellt werden kann. Um auf eine Brille verzichten zu können, müssen die Kunstlinsen passend ausgewählt und eingesetzt werden. Zudem müssen sich das Gehirn und die Augen nach der Operation ausreichend an die Multifokallinsen gewöhnen, um maximale Sehkraft in den verschiedenen Sichtbereichen zu erzielen.  

Für wen sind multifokale IOL geeignet?

Multifokallinsen kommen unter anderem in Frage, wenn die größtmögliche Brillenfreiheit erreicht werden soll, dafür aber eine eventuell längere Gewöhnung an die Linsen in Kauf genommen wird. Sie eignen sich beispielsweise, wenn zugleich eine Katarakt und Altersweitsichtigkeit ausgeglichen werden soll. Wichtig: Für einen operativen Eingriff dürfen ansonsten keine weiteren Beschwerden oder Probleme vorliegen, die das Einsetzen einer multifokalen IOL verhindern würden.

Bifokale und multifokale Kontaktlinsen und Intraokularlinsen – die Unterschiede der Linsenarten

Bifokale IOL und bifokale Kontaktlinsen haben eine zweigeteilte Oberfläche. Sie bieten keinen gleitenden Übergang und Bereiche zwischen Nähe und Ferne werden nicht korrigiert – und daher auch nur schlecht erkannt. Gleiches trifft auf sogenannte Bildschirmbrillen zu. Bei Monovisionskontaktlinsen hingegen wird das dominante Auge für die Ferne und das andere Auge für die Nähe korrigiert. Folglich sieht jeweils nur ein Auge scharf. Mulitfokale IOL haben diese Einschränkungen nicht. Die Modelle unterscheiden sich allerdings hinsichtlich der Verteilung der unterschiedlichen Sichtbereiche.

Darstellung eines Auges nach einer Operation das scharf sieht

Akkommodierende Intraokularlinsen

Akkommodierende Intraokularlinsen gleichen sowohl Kurzsichtigkeit als auch Weitsichtigkeit aus. Sie stellen die Eigenschaften der natürlichen Linse so gut wie möglich nach und ermöglichen durch individuelle Anpassung ein optimales Sehen. Aus diesem Grund sind sie nach wie vor Gegenstand der Forschung.

Was sind akkommodierende Intraokularlinsen und wie funktionieren sie?

Akkommodierende („sich anpassende“) Intraokularlinsen ersetzen die natürliche Augenlinse, die bei der Katarakt-OP entfernt wird. Sie gleichen die Sehschärfe im Nah- als auch im Fernbereich aus. Momentan ist die Korrektur im Nahbereich noch recht eingeschränkt und die Sehschärfe ist eher in mittleren und weiteren Entfernungen gegeben. Daher muss für das Lesen und Arbeiten am Bildschirm gegebenenfalls noch eine Brille getragen werden. Aufbau und Material akkommodierender IOL sind jedoch aktuelle Forschungsschwerpunkte, um dieses Problem in Zukunft zu lösen.

Vor- und Nachteile der akkommodierenden Intraokularlinsen

Der Vorteil akkommodierender Intraokularlinsen liegt darin, dass sie nicht nur eine Katarakt beheben, sondern auch Kurzsichtigkeit und Altersweitsichtigkeit (Presbyopie) ausgleichen. Darüber hinaus passt sich die Linse an die Augenbewegungen an und ermöglicht eine Fokussierung durch die Bewegung der Augenmuskulatur. So kommt sie ohne unterschiedliche Sichtbereiche aus.
Ein Nachteil sind die bereits erwähnten Anpassungsschwierigkeiten im Nahbereich, die derzeit noch weit verbreitet sind.

Alternativen zu akkommodierenden Intraokularlinsen

Alternativen zu akkommodierenden Intraokularlinsen sind unter anderem multifokale IOL und multifokale Kontaktlinsen. Diese ermöglichen ebenfalls scharfes Sehen im Nah- und Fernbereich (Gleiches gilt für Gleitsichtbrillen).

Sind multifokale Intraokularlinsen für mich geeignet?

Auf diese Frage gibt es keine pauschale Antwort. Ob spezielle IOL geeignet sind, hängt vom individuellen Fall, bestehenden Augenproblemen und den eigenen Vorstellungen ab. Um die bestmögliche Linse für eine Operation auszuwählen, sind einige Vorbereitungen nötig:

  • Umfassende Untersuchungen und Vermessungen

Eine Katarakt-OP gehört zu den sichersten chirurgischen Eingriffen. Trotzdem sollten relevante Details im Vorfeld festgehalten werden, um die passenden Linsen auszuwählen und Komplikationen zu vermeiden.

  • Eine fundierte Beratung

Die Entscheidung, welche IOL eingesetzt werden soll, hängt von vielen Faktoren ab. Betroffene sollten ausführlich über die jeweiligen Vor- und Nachteile verschiedener Linsenarten informiert werden.

  • Den richtigen Operateur finden

Ein kompetenter Operateur nimmt sich Zeit für Untersuchung, Beratung und umfassende OP-Aufklärung. Die Betreuung ist engmaschig und verlässlich und es wird auch auf Risiken und Nachteile hingewiesen.

Astigmatismus und Katarakt: Wie torische IOL helfen können

Wenn neben einer Katarakt eine Hornhautverkrümmung (ein sogenannter Astigmatismus) besteht, können torische Intraokularlinsen helfen. Sie gleichen beide Probleme aus.

Was ist ein Astigmatismus?

Astigmatismus ist das medizinische Fachwort für eine Verkrümmung der Hornhaut, durch die das Licht und damit die Sehbilder nicht auf einen Punkt gebündelt werden. Die wahrgenommenen Bilder wirken durch einen Brechungsfehler verschwommen, verwackelt und unscharf. Spezielle Brillen und Kontaktlinsen können diesen Zustand ausgleichen. Torische IOL eignen sich somit für Betroffene, die sowohl unter einer Hornhautverkrümmung als auch unter einer Katarakt leiden.

Bau des Augapfels

Was sind torische Intraokularlinse und wie funktionieren sie?

Torische Intraokularlinsen werden (wie torische Kontaktlinsen) eingesetzt, um die gekrümmte Hornhautoberfläche zu glätten, beziehungsweise daraus entstehende Brechungsfehler auszugleichen. Sie müssen genau an die bestehende Krümmung angepasst werden und bündeln Lichtstrahlen so, dass ein klares Bild entstehen kann.

Vorteile und Nachteile der torischen Intraokularlinse

Mit einer torischen Intraokularlinse kann auf eine Brille zum Ausgleich der Hornhautverkrümmung verzichtet werden: Beide Sehfehler – die Trübung der Linse und die Verkrümmung der Hornhaut – werden durch die Operation behoben.
Torische IOL gibt es mit monofokalen und multifokalen Sehstärken. Kurz- und Weitsichtigkeit lassen sich ebenso korrigieren wie ein gleichzeitiges Vorliegen von Kurz- und Altersweitsichtigkeit. So kann eine größtmögliche Brillenfreiheit erreicht werden.
Ein möglicher Nachteil torischer IOL: Sie müssen sehr genau angepasst werden und sicher im Auge sitzen. Schon minimale Bewegungen oder Verschiebungen der Linse können bewirken, dass sie nicht mehr der Achse der Hornhautverkrümmung entspricht. Bilder erscheinen dann verschwommen oder verwackelt und das Sehen ist stark beeinträchtigt.

Sind torische Linsen für mich geeignet?

Torische Intraokularlinsen bieten überzeugende Vorteile – dennoch muss die individuelle Eignung durch einen Augenarzt geprüft werden. Dazu sind entsprechende Untersuchungen und Vermessungen des Auges nötig. Unter anderem wird der Sehapparat auf weitere mögliche Augenerkrankungen untersucht. Die finale Entscheidung sollten Patient und Augenarzt erst dann treffen, wenn alle Ergebnisse vorliegen.

Fazit

Bei einer Katarakt-OP wird die eingetrübte Augenlinse üblicherweise durch eine Standardlinse ersetzt. Wenn neben einem Grauen Star auch weitere Sehstörungen festgestellt werden, kommen unter anderem multifokale, akkommodierende oder torische Intraokularlinsen in Frage. Sie sind in der Lage, Fehlsichtigkeiten auszugleichen. Jede dieser speziellen Intraokularlinsen hat Vor- und Nachteile. Genauso müssen die individuellen anatomischen Gegebenheiten der Patienten berücksichtigt werden (im Fall einer Hornhautverkrümmung beispielsweise die Art und Ausprägung der Verkrümmung). Es ist daher wichtig, vor dem operativen Eingriff alle nötigen Vermessungen und Untersuchungen am Auge durchzuführen, um die persönliche Eignung für spezielle Intraokularlinsen festzustellen. Neben der Eignung der Patienten und ihren Wünschen spielt aber auch der finanzielle Aspekt eine Rolle: Premiumlinsen werden in der Regel nicht komplett von der gesetzlichen Krankenversicherung übernommen. Im Idealfall können Patienten durch spezielle Intraokularlinsen allerdings eine größtmögliche Brillenfreiheit erreichen.

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