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Die Prüfung des Farbsehens und Dämmerungssehens
Eine Einschränkung des Farb- und Dämmerungssehens kann im Alter Jeden treffen. Farben werden nicht mehr eindeutig erkannt und das Fahren im Dunkeln wird immer anstrengender für die Augen. Eine regelmäßige Untersuchung ist daher umso wichtiger!
geschrieben von Moritz Wettstein am 21. Juli 2020 und geprüft von Dr. med. Andreas Künster
Nach höchsten wissenschaftlichen Standards verfasst und von Experten geprüft.

Mithilfe einer Augenuntersuchung kann nicht nur die Sehstärke ermittelt werden. Es können auch Kontrollen hinsichtlich einer Farbenfehlsichtigkeit und des Dämmerungssehens durchgeführt werden. Diese Untersuchungen sind wichtig, beispielsweise um die Fahrtüchtigkeit einer Person nachweisen zu können. Aber auch bei vielen Berufen sind solche Sehtests in die ärztliche Betriebsuntersuchung integriert.

Farbenfehlsichtigkeit? Was ist das überhaupt?

Unter einer Farbenfehlsichtigkeit (Dyschromatopsie) versteht der Fachmann eine Anomalie in der Farbwahrnehmung der Sinneszellen (Farbrezeptoren). Diese sitzen in der Netzhaut und wandeln die von Gegenständen reflektierten Lichtinformationen in elektrische Impulse um, welche anschließend von den Nervenzellen des Gehirns verarbeitet werden können.

Liegt nun eine Fehlbildung an mindestens einem der drei Farbrezeptoren der Netzhaut vor, leidet der Betroffene unter einer Farbenfehlsichtigkeit. Die Einschränkung des Sehvermögens ist dabei von der Art der Farbenfehlsichtigkeit abhängig.

Eine Farbenfehlsichtigkeit kann in Form einer Farbsinnschwäche und als Farbenblindheit auftreten. Bei einer Farbensinnschwäche leidet der Betroffene unter einer Wahrnehmungsstörung, bei der eine oder mehrere Farben nicht mehr eindeutig wahrgenommen werden können. Diese Störung kann im Bereich des Grünsehens, des Rotsehens und des Blausehens auftreten.

Bei einer Farbenblindheit sehen Betroffene entweder überhaupt keine Farben mehr (Achromasie oder totale Farbenblindheit) oder sie nehmen nur bestimmte Farben nicht mehr wahr (Dichromasie). Bei einer totalen Farbenblindheit können lediglich Kontraste (hell-dunkel) wahrgenommen werden.

Symptome und Untersuchungstests

Nicht selten ist eine Farbenfehlsichtigkeit auf die Vererbung eines genetischen Defekts zurückzuführen (in den meisten Fällen x-chromosomal vererbt), wobei immer beide Augen betroffen sind. Die Farbfehlsichtigkeit kann jedoch auch erst im Laufe des Lebens auftreten, beispielsweise durch Medikamenteneinfluss oder Schäden des Sehnervs. Dann besteht die Möglichkeit, dass lediglich ein Auge betroffen ist.
Je nach Ausprägung sehen die Betroffenen Farben entweder nur teilweise (Farbensinnschwäche) oder können Farben generell nicht erkennen (Farbenblindheit).

Die Farbenfehlsichtigkeit zählt zu den Sinnesstörungen des Auges. Ist ein Patient von Geburt an von dieser Einschränkung betroffen, bemerkt er diese meist nicht selbst, sondern wird oftmals erst durch einen Farb-Sehtest darauf aufmerksam. Tritt die Farbfehlsichtigkeit jedoch erst im Laufe des Lebens auf, bemerkt der Patient die Unterschiede in der Wahrnehmung meist selbst.

Um feststellen zu können, ob eine Farbenfehlsichtigkeit vorliegt, verwendet der Augenarzt Farbtafeln, die mit Unterscheidungsproblemen versehen sind. Besonders geläufig sind die rot-grün Tafeln nach Ishihara. Solche Farbtafeln gibt es auch noch in anderen Ausführungen, sodass verschiedene Tests im Bereich der Farbenfehlsichtigkeit vorgenommen werden können. Der Augenarzt kann daher relativ genau feststellen, welche Art von Farbenfehlsichtigkeit vorliegt und in welchem Umfang diese gegeben ist.

Sehtest farben - Ishihara Tafel mit der Zahl 7
Ishihara Tafel mit der Zahl 7
Sehtest farben - verschiedene Ishihara Tafeln
verschiedene Ishihara Tafeln

Eine Feststellung der Farbenfehlsichtigkeit kann zudem mit Hilfe von einem Anomaloskop erfolgen. Das ist ein Gerät, das in der Augenheilkunde eingesetzt wird und dem Prinzip eines Spektrometers folgt. Mit Hilfe dieses Gerätes wird die Farbtüchtigkeit überprüft und der sogenannte Anomaliequotient ermittelt. Dieser Quotient zeigt, in welchem Umfang die Farbenfehlsichtigkeit vorliegt.

Möglichkeiten der Therapie bei einer Farbsehschwäche

Um eine Farbenfehlsichtigkeit auszugleichen, können beispielsweise spezielle Brillen für Farbenblinde zur Anwendung kommen. Diese verstärken die Kontraste und den Farbeindruck, können ihn jedoch nicht normalisieren. Da sich der Krankheitsverlauf bei einer angeborenen Farbenfehlsichtigkeit im Laufe des Lebens nicht ändert, ist eine Verbesserung des Zustandes nicht möglich.

Handelt es sich hingegen um eine erworbene Farbenfehlsichtigkeit, kann sich das Krankheitsbild stets weiter verschlechtern, wenn die zugrundeliegende Ursache nicht, entsprechend behandelt wird oder nicht therapierbar ist. Dann können nur entsprechende Brillen eventuell den Seheindruck verbessern.

Die Ursachen für eine Farbenfehlsichtigkeit können vielfältig sein. Sie können ihren Ursprung in einer Erkrankung der Netzhaut, einer Erkrankung des Sehnervs oder einer Reihe weiterer Augenerkrankungen (Grauer Star, Grüner Star) haben. Auch ein Schlaganfall, Vergiftungen mit Medikamenten oder Umweltgiften können zu einer Farbenfehlsichtigkeit führen, soweit diese nicht genetisch bedingt und angeboren ist.

Dämmerungssehen? Was ist das überhaupt?

Beim Dämmerungssehen werden die Sehschärfe sowie das Kontrastsehen in einer schwachen Lichtumgebung ohne oder mit Blendung untersucht. Das ist unter anderem beim Autofahren in der Nacht oder beim Arbeiten unter abnehmender Lichtstärke und unterschiedlichen Lichtintensitäten wichtig. Das Dämmerungssehen wird auch als skotopisches Sehen bezeichnet. Wichtig für das skotopische Sehen ist es, dass sich die Augen an die herabgesetzten Lichtintensitäten anpassen können (Adaptation). Gelingt dies nicht, liegt eine Fehlsichtigkeit im Bereich des Dämmerungssehens vor.

Das Dämmerungssehen ist für den Menschen sehr wichtig. Nur damit können wir uns bei Dämmerung oder im Dunkeln orientieren, vor allem beim Auftreten von Streulicht.

Wie funktioniert das Dämmerungssehen?

Dass der Mensch auch bei schwachen Lichtverhältnissen gut sehen kann, ist dem Dämmerungssehen zu verdanken. Auf der Netzhaut des Auges befinden sich dafür Sehzellen, die alle optischen Informationen aufnehmen. Diese Sehzellen teilen sich in Zapfen und in Stäbchen. Sie haben die Aufgabe, Farben und Kontraste zu erkennen und wiederzugeben.

Sehtest farben - Stäbchen und Zäpfchen
Stäbchen und Zäpfchen

Wenn nur wenig Licht für das Sehen zur Verfügung steht, werden die Lichtreize hauptsächlich von den Stäbchen aufgenommen und weiterverarbeitet. Die Stäbchen sowie die nachgeschalteten sogenannten Ganglienzellen der Netzhaut müssen die relativ schwachen Kontraste verstärken. Um schwachen Kontraststufen wahrnehmen zu können, muss das Auge sich zunächst von Hell auf Dunkel umstellen (Adaptation).

Symptome und Untersuchungstests

Typische Symptome bei mangelhaftem Dämmerungssehen sind ein wenig kontrastreiches, trübes Sehen. Umrisse können nicht deutlich erkannt werden und selbst größere Gegenstände werden eventuell nur schwer wahrgenommen.
Um das Dämmerungssehen zu überprüfen werden verschiedene Tests angewendet. Hauptsächlich kommt die sogenannte Nyktometrie (Nachtmessung) zum Einsatz. Bei dieser Untersuchung sitzt der Patient vor einem Gerät, das sich in einem abgedunkelten Raum befindet. Der Patient schaut durch das Gerät auf Sehzeichen, die in ihrer Größe konstant sind, deren Kontrast durch den Prüfer aber variiert werden kann. Zunächst wird ein besonders hoher Kontrast angeboten, der sich dann im Laufe der Untersuchung abschwächt. Der Patient betrachtet Ringe mit „Nasen“ und muss beurteilen, bei welcher Uhrzeit sich die „Nasen“ befinden.

Wie werden Einschränkungen beim Dämmerungssehen behandelt

Störungen beim Dämmerungssehen sind nicht nur lästig, sondern können auch zu einer akuten Gefahr werden. Ist das Erkennen von Gegenständen oder Personen in der Dämmerung eingeschränkt, kann das zu Unfällen und zu schwerwiegenden Schäden führen.

Stellt der Betroffene fest, dass er beim nächtlichen Autofahren eine Seheinschränkung verspürt, dann sollte er dringend zum Augenarzt gehen. Dort können die Ursachen diagnostiziert werden. Mitunter kann die Einschränkung durch einen Mangel an Vitamin-A begründet sein. Mit Medikamenten kann dieser Mangel relativ einfach ausgeglichen werden. Unter Umständen ist bereits dann ein besseres Dämmerungssehen möglich.

Auch eine Trübung der Hornhaut oder der Linse verursachen eine Störung beim Dämmerungssehen und lassen sich bedingt korrigieren. Netzhautveränderungen durch Gefäßschädigungen können ebenfalls Ursache sein.

Auch nicht ausreichende Korrekturen von Fehlsichtigkeiten können das Dämmerungssehen beeinflussen, insbesondere eine nicht korrigierte Hornhautverkrümmung.

Eine genetisch bedingte Einschränkung beim Dämmerungssehen liegt zum Beispiel bei der meist fortschreitenden Retinopathia pigmentosa (RP) vor. Hier kann gegebenenfalls durch eine Diät entgegengesteuert werden. Auch eine Netzhautspaltung (Retinoschisis) oder gar eine Netzhautablösung kann zu einem gestörten Dämmerungssehen führen.

Fazit

Das einwandfreie Erkennen unterschiedlicher Farben ist für viele Menschen selbstverständlich. Jedoch nicht für Patienten, die unter einer Farbsinnesschwäche oder Farbblindheit leiden. Sie können Farben entweder nur noch undeutlich oder gar nicht mehr wahrnehmen. Ebenso einschränkend ist ein verschlechterter Wert des Dämmerungssehens. Kontraste können dann nicht mehr deutlich wahrgenommen werden und das Sichtbild wirkt trüb. Besonders Autofahren in der Dunkelheit ist für Patienten mit eingeschränktem Dämmerungssehen deutlich erschwert.

Eine regelmäßige Untersuchung des Farb- und Dämmerungssehens ist daher essenziell. Nur so kann die Seheinschränkung diagnostiziert und entsprechende Behandlungsmaßnahmen eingeleitet werden.

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