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Meine Lesebrille
Lesebrillen sorgen für eine Korrektur der Weitsicht und ermöglichen dadurch ein scharfes Sehen im Nahbereich. Besonders ältere Menschen nutzen Sie als Unterstützung beim Lesen.
geschrieben von Moritz Wettstein am 17. Mai 2020 und geprüft von Optikermeister Hans-Peter Platten
Nach höchsten wissenschaftlichen Standards verfasst und von Experten geprüft.

Gerade 40 geworden und das Lesen fällt schwer, obwohl sich das Buch direkt vor der Nase befindet? Dieses Problem ist typisch für das Alter, denn etwa ab dem 40. bis 45. Lebensjahr setzt bei vielen Menschen die sogenannte Altersweitsichtigkeit (Presbyopie) ein. Eine Lesebrille kann dieses Problem aber lösen.

Was ist Altersweitsichtigkeit?

Altersweitsichtigkeit entsteht durch die nachlassende Flexibilität der Augenlinse. Die Linse kann sich in der Nähe nicht mehr so gut anpassen, wodurch sich im Nahbereich keine scharfen Bilder mehr ergeben. Die Einschränkungen ähneln also der Weitsichtigkeit (Hyperopie), sind aber auf eine typische Alterungserscheinung zurückzuführen.

Eine Lesebrille korrigiert diesen Zustand und sorgt dafür, dass der Nahbereich wieder scharf wahrgenommen werden kann. Allerdings gleicht die Lesebrille nur die Altersweitsichtigkeit aus: Ferne Objekte sind mit der Nahbrille nur verschwommen erkennbar. Ist für die Korrektur der Fehlsichtigkeit in der Ferne auch eine Brille notwendig, muss eventuell zwischen Brillen für verschiedene Sehbereiche gewechselt oder alternative Lösungen gefunden werden.

Lesebrille, Bifokalbrille, Trifokalbrille, Gleitsichtbrille – welche Brillenart ist wann sinnvoll?

Wenn keine anderweitigen Probleme mit den Augen bestehen, reicht eine Lesebrille aus. Sie wird aufgesetzt, wenn sehr nahe Bereiche scharf gesehen werden müssen und gleicht allein die Altersweitsichtigkeit, beziehungsweise Hyperopie aus.

Besteht aber zugleich Kurzsichtigkeit (Myopie), reicht eine Lesebrille allein nicht aus. Für eine Fehlsichtigkeit in der Ferne wird eine spezielle Brille benötigt. Für den Nahbereich, beziehungsweise das Lesen, die Lesebrille. Das setzt einen ständigen Wechsel zwischen den Brillen voraus und kann bei größeren Sehschwächen problematisch sein.

Eine Alternative hierzu sind sogenannte Mehrstärkenbrillen (Multifokalbrillen). Unterschieden werden diese in Bifokalbrillen, Trifokalbrillen und Gleitsichtbrillen. Bifokalbrillen haben jeweils einen Glasabschnitt für das nahe und das ferne Sehen. Das Brillenglas ist also in zwei Abschnitte aufgeteilt und weist eine klare Trennlinie zwischen beiden Bereichen auf. Der Zwischenbereich fehlt jedoch.

Die Gläser von Trifokalbrillen sind in drei Abschnitte aufgeteilt und decken somit den Nah-, Zwischen- und Fernbereich ab. Auch hier sind aber wieder klare Trennlinien zwischen den Bereichen vorhanden. Das kann die Orientierung erleichtern, aber auch die Eingewöhnung erschweren, da das Bild gewissermaßen „hüpft“. Die Augen müssen sich daran gewöhnen, abrupte Linsenänderungen zu erleben.

Die Gleitsichtbrille verbindet mehrere verschiedene Sichtbereiche miteinander. Nah-, Zwischen- und Fernbereich werden von den Gläsern abgedeckt. Zwischen den Abschnitten gibt es jedoch keine klar erkennbaren Grenzen. Stattdessen gehen sie nahtlos ineinander über. Daher auch die Bezeichnung „Gleitsichtbrille“. Die Gewöhnung in jungen Jahren fällt oftmals deutlich einfacher, als wenn zuvor eine Bifokal- oder Trifokalbrille getragen wurde.

Lesebrille: Fertigmodell oder angepasste Gläser?

Lesebrillen gibt es als günstige Fertigbrillen für wenig Geld bereits im Supermarkt oder der Drogerie zu kaufen. Selbst an Tankstellen können sie erworben werden. Das ist verlockend. Schließlich entfallen die hohen Kosten, Besuche beim Arzt oder Optiker und vergleichsweise langwierige Anpassungen. Zudem sind die Gestelle oftmals sehr kleidsam.

Diesen Vorteilen stehen aber auch einige Nachteile gegenüber.

Die Fertiglesebrillen weisen in der Regel die gleiche Stärke auf beiden Gläsern auf. Meist weisen die Augen aber unterschiedliche Sehschwächen auf. Zudem wird eine eventuell vorhandene Hornhautverkrümmung (Astigmatismus) nicht berücksichtigt. Wenn die angepasste Lesebrille noch auf sich warten lässt oder gerade beschädigt wurde, stellen die Fertigbrillen also eine gute provisorische Lösung dar. Für das dauerhafte Tragen sollte es aber ein angepasstes Modell sein. Lies hier für mehr Informationen.

Was muss ich beim Kauf einer Lesebrille beachten?

Wer eine Lesebrille kaufen möchte oder muss, sollte die folgenden Punkte beachten:

  • Lesebrille oder Mehrstärkenbrille?: Bei Fehlsichtigkeit in der Ferne und Altersweitsichtigkeit könnte eine Multifokalbrille die bessere Wahl sein. Bei separaten Lesebrillen und Fernbrillen muss ständig gewechselt werden, um die Durchsicht zu behalten.
  • Fertig oder individuell angepasst?: Fertigbrillen haben den Vorteil sehr günstig und direkt verfügbar zu sein. Zudem ist es kein großer Verlust, wenn sie Schaden nehmen oder verloren gehen. Allerdings eignen sie sich nur als vorübergehende Lösung oder als Ersatz, wenn die angepasste Brille gerade nicht verfügbar ist.
  • Mit Beschichtung oder ohne?: Eine Antireflexbeschichtung schont die Augen und verhindert frühzeitige Ermüdung sowie blendende Reflexionen. Hinzukommen können härtende Beschichtungen, die vor Kratzern schützen sowie Beschichtungen, die die Reinigung vereinfachen oder das Beschlagen verhindern.

Eine individuelle Beratung beim Optiker oder Augenarzt kann bei der Entscheidung helfen. Zusätzlich muss sich jeder Brillenträger einen Brillenpass ausstellen lassen, bevor er eine professionell angepasste Brille erwerben kann. Ob Lesebrille oder Gleitsichtbrille – ohne diesen Ausweis ist keine genaue Anpassung der Brille auf die individuellen Anforderungen der Augen möglich. Zudem hilft ein Brillenpass dabei, auch im Notfall einen möglichst gut passenden Ersatz zu finden. Beispielsweise, wenn die Lesebrille im Urlaub zuhause vergessen wurde oder der Optiker gewechselt werden muss.

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